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10 Jahre Bayerisches Bäckereimuseum

Europa: Gelebtes Erbe Bayerisches Bäckereimuseum

„Das Universum beginnt mit dem Brot“ – in nüchternen Lettern begrüßt dieser Satz des Pythagoras die Besucher/innen des Bayerischen Bäckereimuseums und stimmt sie ein auf die räumliche, zeitliche und geistige Dimension des eigentlich sehr handlichen Lebensmittels – Brot.

„Unser tägliches Brot“ ist keine Selbstverständlichkeit, es ist das Ergebnis vieler Hände Arbeit. Bauer, Müller, Bäcker – sie alle helfen mit und ihre Arbeit spiegelt sich in den Ausstellungen des Museums. Ein ländliches Backhäuschen um 1700 und ein historischer Abriss über die Landwirtschaft bilden den Auftakt des Museums. Während man sich noch über die Landwirtschaft im Jahresreigen informiert, wartet im Hintergrund schon die dreistöckige Mühle, das Korn zu vermahlen. Backen ist Handwerk, Erfahrung und Wissen – Backen sind Rohstoffe, Gerätschaften und technischer Fortschritt. Mit einem alten Backofen und einem historischen Bäckerladen als Mittelpunkt, illustriert und erläutert mit vielen Kleinexponaten, tauchen die Besucher/innen in die Arbeitswelt des Bäckers ein. Die geschichtliche Dimension des Brotes und des Backens wird in fünf Epochenräumen erlebbar: von Ägypten über Rom in das Hier und Heute - von Mangel und Überfluss, von alten Backtechniken und Bräuchen zu Sortenvielfalt und aktuellen Vermarktungsstrategien.

Die authentischen Objekte rund um das Bäckereihandwerk spiegeln, eingebettet in sorgfältigen Inszenierungen, das materielle Erbe des Kulturgutes Brot wider. Eine kluge Bildauswahl, interaktive Elemente und audiovisuelle Medien lassen die über Jahrtausende entwickelte Vielfalt und Qualität des Backens sowie des Brotes lebendig werden. Das Bayerische Bäckereimuseum präsentiert die geistig-kulturelle Tragweite des Brotes und seines tiefgreifenden Einflusses auf die menschliche Lebenswelt. Gemälderepliken von Breughel und Spitzweg, welche die Arbeit im bäuerlichen Umfeld darstellen, bilden den Auftakt und setzen damit die Anfänge des Brotes motivisch um. Doch das lebensnotwendige „tägliche Brot“ fand seinen Weg auch auf andere Weise in die bildenden und darstellenden Künste. So steht die Zeichnung „Brot“ von Käthe Kollwitz, die den Mangel ins Bild setzt, neben dem gleichnamigen Hörspiel von Wolfgang Borchert.

Im Europäischen Kulturerbejahr 2018 wird auch das 10-jährige Bestehen des Bayerischen Bäckereimuseums gefeiert. Der herausragenden Bedeutung des Nahrungsmittels Brot in der historischen Erinnerungskultur und in der alltäglichen Lebenswelt wurde mit der Aufnahme der Deutschen Brotkultur in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes der Deutschen Unesco-Kommission 2014 eine angemessene Wertschätzung zuteil. Das Bayerische Bäckereimuseum stellt diese Auszeichnung in bemerkenswerter Art und Weise in eine museale Präsentation, vermittelt das Bäckerhandwerk grenzüberschreitend als gesamteuropäisches Erbe und macht Brot als Kulturbotschafter begreifbar.