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100 Prozent Wolle

Europa: Gelebtes Erbe Museum Europäischer Kulturen - Staatliche Museen zu Berlin

Schafe gehören seit Jahrtausenden zu den wichtigsten Haus- und Nutztieren des Menschen. Sie liefern weltweit nicht nur Fleisch und Milch, sondern auch und vor allem ihr Fell. Bereits seit der Jungsteinzeit ist das Verspinnen der Wolle mit der Handspindel überliefert. Die alten Kulturtechniken des Spinnens und Webens, die durch die industrielle Produktion überflüssig geworden schienen, erleben derzeit eine Renaissance: Jugendliche und junge Erwachsene lassen sich Techniken wie Filzen, Stricken und Häkeln, die ihre Großmütter als Kinder noch erlernt hatten, beibringen. Als »Urban Knitting« hat die Handarbeit gar Einzug in die Populärkultur und den öffentlichen Raum gehalten.

Das Museum Europäischer Kulturen (MEK) widmet sich in »100 Prozent Wolle« der Kulturgeschichte der Wollproduktion und -verarbeitung. Die Ausstellung zeichnet den Weg von der Rohwolle zum Faden nach und vermittelt verschiedene Techniken der Weiterverarbeitung – vom Spinnen und Weben über das Stricken und Häkeln bis hin zum Sticken. Die Ausstellung ist als intergenerationales Projekt konzipiert, das viele verschiedene Zugänge ermöglicht. In jedem Raum stehen Orte der Begegnung, der gemeinsamen aktiven Erfahrung und des Austausches zwischen den Generationen im Mittelpunkt. Neben der Betrachtung von Objekten aus der Sammlung des MEK wie Spindeln aus allen Gegenden Europas, einem Schäfermantel aus Gras und Webschiffchen können Schafwolle und Pflanzenfasern ertastet, ein übergroßes Schaf beklettert sowie in einer offenen Werkstatt Stricken und andere Techniken der Fadenverarbeitung erlernt werden. Der Blick richtet sich damit nicht nur auf die historische Geltung der Wolle in der europäischen Alltagskultur und das damit verbundene immaterielle Kulturerbe der Verarbeitungstechniken. Wolle spielt eine Rolle im Hier und Jetzt – als Rohstoff und Material, als Teil der Populärkultur und als Anlass zum Austausch von Geschichten und Erfahrungen.