// Projekte // 1000 Jahre Friede von Bautzen

1000 Jahre Friede von Bautzen

Europa: Grenz- und Begegnungsräume 1000 Jahre Friede von Bautzen

„1000 Jahre Friede von Bautzen“ ist ein Netzwerkprojekt anlässlich des 1000. Jubiläums des Friedensschlusses zwischen dem Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, Heinrich II. und dem polnischen Regenten Boleslaw Chobry I. am Platz der Ortenburg in Bautzen am 30. Januar 1018. Dieser Friedensvertrag beendete eine fünfzehnjährige Phase kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen beiden Parteien um die Gebiete der Mark Lausitz und des Landes der Milzener – also der heutigen Oberlausitz.

Trotz der Bedeutsamkeit dieses Friedens, d.h. der Schlichtung des langjährigen Streites um die heutige Oberlausitz, welche zuvor und danach immer wieder unter verschiedene Regentschaften fiel und als Viel-Völker-Region somit eine bewegte (und damit typisch europäische) Geschichte erlebte, ist dieses Datum sowohl als Jubiläum als auch historisches Ereignis in Bautzen und der Region nur wenig bekannt, bleibt also im Diskurs und Wissen um das Ereignis bisher wenigen Fachgremien vorbehalten. In Polen wird dem Frieden von Bautzen weitaus größere Bedeutung zugemessen; sicherlich auch aufgrund der Verknüpfung mit der Person Boleslaw d. I., welcher ab dem Jahre 1025 der erste polnische König in der Geschichte Polens war. Das Projekt soll wesentliche Beiträge zur Wahrnehmbarkeit und zur Stärkung der Identifikation mit den Erinnerungsorten der Geschichte des Dreiländerecks Deutschland – Polen – Tschechische Republik leisten. Dabei werden sowohl historische Orte (Bauwerke, Denkmale) in den Blick genommen wie auch geschichtliche Ereignisse, die einen Erinnerungsort im kollektiven Bewusstsein der Region darstellen.

Anknüpfend an dieses kulturelle Erbe bietet das historische Thema „1000 Jahre Friede von Bautzen“ zahlreiche Übersetzungsmöglichkeiten des Begriffes „Frieden“ in das Hier und Heute: so jeweils im eigenen persönlichen Umfeld, im lokalen, regionalen und im überregionalen Kontext. Dabei nimmt der Begriff in den jeweiligen Bereichen verschiedene Dimensionen an: Deutungen sind als „nachbarschaftliches Auskommen“, als „Frieden in der Gesellschaft“ bis hin zum „Frieden zwischen Völkern und Nationen“ möglich. Die Selbstverständlichkeit eines Lebens in Frieden für ganze Generationen ist in Europa neu und in der aktuellen Dauer von über siebzig Jahren historisch einmalig. Gleichzeitig ist dieser Frieden auf unterschiedlichen Ebenen bedroht, beispielsweise indem Egoismen und Egozentrik auf dem Vormarsch sind; zu Lasten kooperativer Ansätze. Erinnerungsorte und historische Ereignisse gemahnen an Vergangenes – die Beschäftigung mit ihnen bietet die Möglichkeit, diesen Orten und dem, wofür sie stehen eine neue Bedeutung zu verleihen und damit eine Identifikation überhaupt erst zu ermöglichen.

Die kulturell vielfältige und mehrsprachige Euroregion Neiße/Nysa stellt dafür einen idealen Rahmen dar: als Grenz- und Begegnungsraum mit einer zwischen Deutschland, Polen und der Tschechischen Republik sehr wechselhaften und für die Menschen oft schwierigen Geschichte, die anhand von baulichen aber auch immateriellen Erinnerungsorten erlebbar ist bzw. gemacht werden kann.

Das Projekt wird im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres 2018 von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) gefördert.

Ähnliche Projekte