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Archäologie und Stadtplanung in Lübeck

Die europäische Stadt Bereich für Archäologie und Denkmalpflege der Hansestadt Lübeck, Abt. Archäologie

In den Jahren 2009 bis 2016 erfolgte im Vorfeld geplanter innerstädtischer Restrukturierungsmaßnahmen die archäologische Untersuchung von fast 50 Grundstücken auf einer zusammenhängenden Fläche von über 10.000 m2. Im Gründungsviertel, dem archäologisch nachgewiesenen ältesten Quartier des UNESCO Welterbes Lübeck, fanden sich die Reste einer hervorragend konservierten Stadtentwicklung, die sich in allen Bestandteilen urbanen Lebens studieren und vermitteln lassen.

Zeitgleich mit dem Europäischen Kulturerbejahr 2018 feiert die Hansestadt auch ihr 875-jähriges Bestehen. Dieses Jubiläum erlebt parallel auch das Gründungsviertel, in dem sich von den ersten Spuren menschlicher Aktivität bis zu den modernen Tief- und Hochbaumaßnahmen eines neu entstehenden Viertels sowohl Archäologie als auch Stadtplanung finden und erleben lassen. Das Arbeitsgebiet liegt zentral zwischen dem ehemaligen Hansehafen an der Trave und dem Marktplatz mit Rathaus und Marienkirche. Es umfasst die Blockinnenräume zwischen drei großen Straßenzügen, die jeweils durch eine Querstraße verbunden sind.
Außerhalb dieses von Beginn an geplanten Wegenetzes können einige imposante, erhaltene Baubefunde erlebt werden, die vom Saalgeschoßhaus am Hafen bis zur gotischen Kaufleutekirche am Rathaus den peripheren Rahmen des Viertels abstecken. Die inneren Dimensionen dieses in den Ausgrabungen untersuchten Areals lassen sich dann besonders gut auch im kommenden Europäischen Kulturerbejahr erfassen, da sie stellenweise offene Blicke und spannende Sichtachsen zwischen den noch unbebauten Grundstücken zulassen.

Auf ausgewählten Parzellen wurden archäologische Befunde für die Zukunft belassen und werden nun aktiv in die Neugestaltung übernommen. Diese bezieht sich besonders auf die archäologisch festgestellten Grundstücksgrößen, so dass die neuen Gebäude in ihrer Größe und Lage exakt denen des Mittealters gleichen. Die architektonischen Realisierungen sollen eben jenes Authentische des originalen Gründungsviertels dauerhaft in die Zukunft überführen.

Die Umsetzung des didaktischen Konzeptes zum Verstehen, Vermitteln und Erleben des urbanen Lübecker Erfolgsmodells, welches in vielen weiteren mittelalterlichen Städten entlang der Ostsee übernommen wurde, soll für einen nachhaltigen Wissenstransfer für zukünftige Generationen dienen. Durch die erhaltenen Räume, deren Ortsbezüge und Dimensionen, wird die Lübecker Geschichte im Gründungsviertel nicht nur archäologisch, architektonisch und stadtplanerisch begreifbar, sondern auch direkt erlebbar. Um dies zu realisieren wird mit der Jugendbauhütte Lübeck im Rahmen des Baugeschehens sowie auf regionalen und überregionalen Veranstaltungen durch experimentelle Rekonstruktion im originalen Maßstab und auch am authentischen Ort der kulturgeschichtlich wichtige Aspekt mittelalterlicher Urbanität von Jugendlichen für Jugendliche vermittelt.

Das Projekt wird im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres 2018 von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) sowie zu gleichen Teilen von der Lübecker Possehl Stiftung gefördert.