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Ausstellung „Lehmarchitektur heute – ein traditioneller Werkstoff für die Zukunft“

Europa: Gelebtes Erbe Institut fuer Auslandsbeziehungen

Die Ausstellung „Lehmarchitektur heute“ zeigt, dass das Bauen mit Lehm eine Tradition in Europa besitzt – auch wenn diese bisher nicht in eine industrielle Fertigung mündete. Das höchste massive Lehmhaus in Deutschland wurde 1828 in Weilburg an der Lahn errichtet. Als Alternative zum Fachwerkbau aus Holz entwickelte der Baumeister Jakob Wimpf (1767 – 1839) Baumethoden für stark verdichteten Stampflehm, der auch für die konstruktiven Einheiten verwendet wurde. Der Lehmbau wurde vor allem in 18. und 19. Jahrhundert propagiert, um den Verbrauch an Holz zu verringern und die feuerfesten Eigenschaften des Baumaterials zu nutzen. Einen wichtigen Impuls setzten die Schriften von Francois Cointereux (1740 – 1830). In Frankreich sind durch Cointereuxs Einfluss viele Stampflehmbauten bekannt. Beispielsweise das Schloss der Grafen von Montbriant im Saône-Tal bei Lyon oder zahlreiche Häuser in der Stadt Dolomieu, in der Region Auvergne-Rhône-Alpes. Hier sind 90 Prozent aller Gebäude in der traditionellen Stampflehmtechnik errichtet worden. In Deutschland trug David Gilly (1748 – 1808), der 1779 in seinem Werk „Handbuch der Lehmbaukunst“ den getrockneten Lehmziegel mit seinen Vorteilen für die Nutzung vorschlug, zur Verbreitung bei. Aus dieser ersten Phase des Lehmbaus ist beispielsweise ein sogenanntes Ernhaus in Beerbaum, nahe Bad Freienwalde in Brandenburg, das 1804 errichtet wurde, bekannt.

Lehmarchitektur hat also eine Geschichte in Europa, die in den letzten Jahren im Zuge einer Renaissance des Baustoffs für den Hausbau wiederbelebt wird. Die Vorzüge liegen in der Energie- und Kostenersparnis sowie im ausgeglichenen Raumklima. Doch gerade für das Bauen in trockenen Regionen der Welt, besitzt der Werkstoff Vorteile. So richtet die Ausstellung „Lehmarchitektur heute“ den Blick nicht nur auf Europa, sondern stellt zeitgenössische Architektur aus allen Klimazonen der Erde vor. Denn auch in Transformationsländern wächst der Bedarf an Wohnraum.

Die Ausstellung zeigt ab Oktober 2018 40 Projekte, welche mit dem TERRA Award ausgezeichnet wurden. Der Preis wurde erstmals 2016 durch CRAterre (Centre international de la construction en terre) und der Forschungs- und experimentierzentrum amàco vergeben. Kriterien waren nicht nur die architektonische Qualität, sondern auch Ortsspezifität sowie Einsatz und Weiterentwicklung traditioneller Techniken. Die ausgezeichneten Projekte reichen von der Rekonstruktion eines durch Erdbeben zerstörten Dorfes in China und einer zeitgenössischen Interpretation des lokalen Sippenhauses bis hin zum Ricola–Kräuterzentrum von Herzog & de Meuron in der Schweiz. Vom privaten Wohnhaus in Darmstadt bis zu Schulbauten in Pakistan. Mit der Auswahl und Präsentation herausragender zeitgenössischer Bauten beginnt die Zukunft des Kulturerbes Lehmbau.

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