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Das Kloster Lichtenthal als Zentrum kultureller Überlieferung von Frauenklöstern

Europa: Grenz- und Bewegungsräume Badische Landesbibliothek

Anlässlich des Europäischen Kulturerbejahres 2018 bereitet die Badische Landesbibliothek in Karlsruhe in Kooperation mit der Zisterzienserinnenabtei Lichtenthal eine Ausstellung zum Kloster Lichtenthal vor, einem der wenigen noch bestehenden deutschen Klöster. Von wesentlicher Bedeutung für die Ausstellung vom November 2018 bis Januar 2019 ist die Frage, welche Rolle der Lichtenthaler Abtei bei der Bewahrung von kulturellen Zeugnissen von heute nicht mehr existenten Klöster des Oberrheingebietes zukommt.

Der Orden der Zisterzienser baute seit seiner Gründung im 11. Jahrhundert ein weitläufiges Geflecht von Filialen in Europa aus, die stets eng mit ihrem jeweiligen Mutterkloster verbunden blieben. Auf diese Weise wurde der Zisterzienserorden zu einem Träger grenzüberschreitenden Austauschs und grenzüberschreitender Überlieferung. So erklärt sich auch, dass das Frauenkloster Lichtenthal trotz seiner abgelegenen Lage am Rande des Schwarzwaldes zu einem Ort der Bewahrung von Kulturgütern aus benachbarten Klöstern wurde, die selbst im Wandel der Zeit untergingen – ob im Kontext der Reformation oder der Französischen Revolution, der Säkularisationswelle zu Beginn des 19. Jahrhunderts oder aufgrund von Nachwuchsmangel.

Ein Schwerpunkt des Ausstellungsprojektes liegt auf der erstmaligen gemeinsamen Präsentation ausgewählter Handschriftenbestände beider Institutionen. Insgesamt umfasst der Bestand der Lichtenthaler Handschriften in der Badischen Landesbibliothek 144 Signaturen. Die übrigen Handschriften werden in der Abtei Lichtenthal verwahrt und spiegeln als über Jahrhunderte hinweg gewachsene Sammlung eine typische Bibliothek eines Frauenklosters wider.

Die Digitalisierung sämtlicher Lichtenthaler Handschriften stellt ein besonderes Anliegen der Badischen Landesbibliothek dar. Zeitgleich mit der Eröffnung der Ausstellung im Herbst 2018 sollen auch die Digitalisate derjenigen Handschriften, die sich noch heute in Klosterbesitz befinden und bisher nur schwer für Forschung und interessierte Öffentlichkeit zugänglich waren, im Netz online gehen. Der an zwei unterschiedlichen Orten getrennt aufbewahrte Handschriftenbestand wird so virtuell in den Digitalen Sammlungen der Badischen Landesbibliothek zusammengeführt.

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