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BURG & BURGPARK GAMBURG OB DER TAUBER – EIN KULTURERBE VON EUROPÄISCHEM RANG

Europa: Erinnern und Aufbruch Burg und Burgpark Gamburg

Die Gamburg ob der Tauber an der Romantischen Straße war im 12. Jahrhundert mainzisches Lehen und Residenz der Edelfreien von Gamburg und ist heute ein Kulturerbe europäischen Ranges.

Ihr romanischer Saalbau mit ursprünglich drei Saalgeschossen und Fußbodenheizung gehört zu den repräsentativsten des deutschen Hochmittelalters. Die „Barbarossa-Fresken“ in seinem kulturhistorisch einzigartigen Hauptsaal gelten als die ältesten weltlichen Wandmalereien nördlich der Alpen (entstanden um 1200). Diese einzig erhaltenen Original-Ausmalungen eines Rittersaals zeigen großflächige und künstlerisch innovative Darstellungen des Kreuzzugs Kaiser Friedrichs I. mit einer frühen Darstellung des Stauferkaisers, der ersten Abbildung eines mittelalterlichen Rosspanzers und sogar einer der ältesten Inschriften deutscher Sprache. Sie wurden 1986 durch Hans-Georg von Mallinckrodt jun. entdeckt und seitdem immer weiter restauriert und erforscht, zuletzt 2014 als Kern der internationalen Tagung „Repräsentation und Erinnerung“ zum außergewöhnlichen höfischen und sakralen Kulturerbe des Hochmittelalters im Main-Tauber-Gebiet. Heute gelten sie als memoriale Erlebniserzählung des Kreuzritters Beringer des Jüngeren von Gamburg und stehen somit im Zusammenhang mit weiteren hochmittelalterlichen Memorialbauten der Region. Sie umrahmen außerdem die ungewöhnlich prächtigen Baubefunde staufischer Doppelarkaden, die mit Resten von Marmorierungen, einem frühen Baumeisteratlanten und seltenen Kapitellformen geschmückt sind.

Die seit ihrer Erbauung bewohnte Burg wurde, auch dank ihrer Rettung durch Götz von Berlichingen im Bauernkrieg, nie zerstört. Seine Entführung eines Gamburger Amtmanns führte zum berühmten „Götz-Zitat“. Seit 1546 befindet sich die Gamburg in adeligem Privateigentum. Der Bergfried diente im 2. Weltkrieg als Bunker für Auslagerungen einiger Frankfurter Museen sowie für Akten über die sogenannte „Rote Kapelle“. Außerdem wurde er zeitweise als Wasserreservoir für den Burgpark genutzt.

Dieser auf einer künstlichen Terrasse angelegte Barockgarten mit seinem Nymphenbrunnen, seiner stimmungsvollen Lichtachse und seinen botanischen Raritäten ist als integraler Teil einer Burganlage in Deutschland einmalig. Seit den letzten Jahrzehnten wird er nach alten Vorlagen wiederbelebt und weiterentwickelt und profitiert vom besonders milden Klima Tauberfrankens sowie den Ausläufern eines nahen Naturschutzgebietes.

Ebenso das Café des statuen- und wappengeschmückten Burghofs, dessen Palmen und andere exotische Pflanzen in der Saison ein mediterranes Flair verströmen. Die Burgkapelle und das Wappenzimmer bieten einen wunderbaren Rahmen für Hochzeiten. Das Alte Waschhaus dient heute als Shop. Mit der Gamburg ist außerdem eine (ursprünglich aus dem anglo-normannischen Raum stammende) Melusinensage sowie eine eigene Erzählung zu über 21 Geistern und weiteren Spukerscheinungen verbunden.

Auch im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres 2018 bietet die deutsch-französische Eigentümerfamilie von Mallinckrodt reguläre Führungen sowie zahlreiche Veranstaltungen und Kurse auf der Gamburg an und setzt sich in lebendiger Kontinuität intensiv für die Erforschung, die Beseelung und die lebendige Kontinuität der Burg und des Burgparks ein.

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