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Das Peter-und-Paul Fest in Bretten – Eine Stadt lebt die Geschichte

Europa: Gelebtes Erbe Peter-und-Paul-Fest

Unter dem Motto „Eine Stadt lebt ihre Geschichte“ präsentieren am Peter-und-Paul-Fest über 4.000 Frauen, Männer und Kinder in historischen Gewändern zusammen mit Gastgruppen aus ganz Europa über 120.000 Besuchern Episoden aus der Stadtgeschichte. Das Fest ist ein herausragendes, identitätsstiftendes Kulturereignis für die Stadt, die Region und weit darüber hinaus. Es orientiert sich an historischen Begebenheiten und Traditionen: der Belagerung des kurpfälzischen Bretten durch Herzog Ulrich von Württemberg im Jahre 1504, dem seit dem 16. Jahrhundert überlieferten „Peter-und-Paul-Freischießen“ und dem seit dem 17. Jahrhundert belegbaren „Schäfersprung“.

Jedes Jahr am Wochenende nach dem kirchlichen Peter-und-Paul-Tag taucht die Stadt Bretten, Geburtsort des Universalgelehrten und Reformators Philipp Melanchthon, von Freitag bis Montag in die Geschichte ein. Die szenischen Darstellungen von Schäfern, Stadtwache, Bauern und Landsknechte werden ergänzt durch ein buntes Lagerleben von über 50 weiteren Gruppen, die Einblicke in das historisch verbriefte Leben einer Stadt um 1500 geben: Handwerkskunst, authentische Garküche, Sänger, Musiker, Gaukler und Feuerakrobaten beleben die historische Altstadt.

Besonderes Augenmerk gilt Familien mit Kindern, die mit spätmittelalterlichen Spielen und Tänzen an die Tradition ihrer Stadt herangeführt und zum Mitmachen angeregt werden. Zur gelebten Geschichte gehört auch die Darstellung der Bürgerwehrtradition mit Aufmärschen, Zapfenstreich und Festumzug. Ein prachtvolles Feuerwerk, die schaurige Pestnacht sowie ein Schwartenmagenumzug runden dieses einmalige Volksfest, 2014 aufgenommen in die Liste des Immateriellen Kulturerbes (IKE) der deutschen UNESCO-Kommission, mit seinen historischen Wurzeln ab.

In der Zeit um 1500 vollzog sich in weiten Teilen Europas ein grundlegender Epochenwandel. Die sogenannte „Neuzeit“ löste das Mittelalter ab. Die langfristigen Folgen dieser Entwicklung – einer der größten Umbrüche in der abendländischen Geschichte – sind bis heute spürbar. Zu dieser Zeit wird in Bretten Philipp Melanchthon (1497–1560) geboren. Der berühmte Altphilologe, Philosoph, Humanist, Theologe, Lehrbuchautor und neulateinischer Dichter war als Reformator neben Martin Luther eine treibende Kraft der deutschen und europäischen kirchenpolitischen Reformation und wurde auch „Praeceptor Germaniae“, Lehrer Deutschlands genannt.