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De Twei-Smacker levt! Nachbau einer Warnemünder Volljolle in Rostock

Europa: Gelebtes Erbe Schifffahrtsmuseum Rostock

Zwischen sechs und sieben Meter lang, robust gebaut und schnell unterwegs war „De Tweismacker“ unverzichtbare Grundlage des Broterwerbs der Warnemünder Fischer und beredtes Zeugnis der funktionalen Bootsbautradition und -kunst der Handwerker an Warnow und Ostseestrand. “De Tweismacker“ aus Warnemünde ist einerseits einzigartig, und andererseits steht er für die Lebens- und Arbeitswelt im gesamten Ostseeraum. Ob in Schweden, Polen, Norwegen oder Dänemark ... überall hat die Praxis der küstennahen Fischerei bauähnliche Schiffe hervorgebracht. “De Tweismacker“ ist würdiges Mitglied einer großen internationalen Familie. Die vielen ähnlich gebauten Jollen an der Ostseeküste, sowohl in Deutschland, als auch in Dänemark oder Schweden, zeugen auch vom steten Austausch zwischen den Ostseeanreinern.

Im 19. Jahrhundert waren die Warnemünder Volljollen, auch Twei-Smacker genannt, die typischen Segelschiffe der Küstenfischerei. Dann lösten die motorisierten Kutter die Segelboote ab. Aber noch bis in den 1930er Jahre segelte die Warnemünder Twei-Smacker-Flotte bei der Warnemünder Woche ihre Rennen. Den Untergang der Arbeits-Jollentradition konnte das aber nicht verhindern.

Heute gibt es kein noch so schlecht erhaltenes Exemplar und auch keinen Nachbau. Und schlimmer: Die Bootsbauer der Vergangenheit fertigten nicht nach Zeichnung. Sie arbeiteten auf der Grundlage von Mindestangaben und nutzten den Schatz ihrer Arbeitserfahrungen, wenn sie den Twei-Smacker auf Kiel legten. Risse oder Zeichnungen aus der Zeit gibt es kaum. Übrig geblieben sind einzelne Fotos, Beschreibungen der Bootsarchitektur aus der Erinnerung und vom Hörensagen. Details der Verarbeitung der Materialien sind vergessen. Eine Gruppe von Bootsbauern und Segelfreunden baut seit 2017 am Nachbau einer solchen Jolle. Aus Anlass des 800. Geburtstages der Hanse- und Universitätsstadt Rostock wird die Jolle im Frühherbst 2018 auf der Warnow segeln.

Das gesamte Bootsbauunternehmen ist ein Projekt des Förderkreises für das Schiffbau- und Schifffahrtsmuseum Rostock e.V.