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Den Alten Dom St. Johannis neu entdecken

Die europäische Stadt Stadtkirchenarbeit an St. Johannis

Mitten im historischen Zentrum von Mainz steht die evangelische Kirche St. Johannis in unmittelbarer Nachbarschaft zum imposanten romanischen Dom St. Martin, der Mainzer Kathedrale. Vor tausend Jahren aber war St. Martin noch nicht einmal fertig gebaut, während St. Johannis in fast der gleichen Form wie heute schon seit mehreren Jahrhunderten Sitz und Amtskirche der Mainzer Bischöfe war. Sie ist damit Zeuge einer jahrhundertalten europäischen Geschichte - und steht als steingewordenes Denkmal für die spannende und wechselhaften Zeitläufe.

Zeichen der gemeinsamen europäischen Geschichte

Im Rahmen des europäischen Kulturerbejahres sollen eine Reihe von Veranstaltungen in der Kirche stattfinden. Da in der Kirche nach wie vor geforscht und gegraben wird, werden Formate angeboten, welche die Besucher an diesem Prozeß teilhaben lassen - und damit sozusagen miterleben können, wie vielschichtig im wahrsten Sinne des Wortes diese gemeinsame Geschichte ist.

Archäologische Untersuchungen gehen in der evangelischen Kirche St. Johannis seit einiger Zeit bau- und funktionsgeschichtlichen Fragen nach. Die Anfänge der materiellen Erforschung der baulichen Genese von St. Johannis reicht ins erste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts zurück. Damals schon waren die Grundzüge der architektonischen Entwicklung geklärt worden. Im Jahr 2010 kamen während der Fassadenrestaurierung wiederum Hinweise auf ältere Bauten zutage. Seit 2013 sind die Feldforschungen im Innern der Kirche im Gang. Am Aufgehenden Mauerwerk sind dabei neue Teile von Vorgängerbauten entdeckt worden, die weit ins erste Jahrtausend zurückreichen dürften und bereits mindestens 15 m hoch waren. Einige frühe Gräber belegen ebenso wie die zahlreichen nachmittelalterlichen Bestattungen die kirchliche Funktion der Architekturen, deren Erscheinung noch heute im Wesentlichen auf die Bauten des frühen Mittelalters zurückgeht – ein nördlich der Alpen hochseltenes Faktum.

Ebenso alt wie die archäologische Forschung ist die Annahme, dass es sich bei St. Johannis um die ursprüngliche Sedes- oder Bischofskirche und damit um einen spätantiken/frühmittelalterlichen Sakralbau handelt, der Bischofskirche von Bonifazius und Rhabanus Maurus war, Bischöfen, von denen Impulse für eine europäische Identität ausgingen.