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Denkmalradar.de – eine Plattform für leerstehende Baudenkmale und Konzepte

Die europäische Stadt Leipziger Denkmalstiftung

Die Leipziger Denkmalstiftung initiierte die offene Internetplattform "denkmalradar.de" mit dem Ziel, leerstehenden Baudenkmalen in Mitteldeutschland zu mehr Aufmerksamkeit und so zu neuen Nutzern zu verhelfen. Sie funktioniert wie ein schwarzes Brett. Jeder kann bedrohte Baudenkmale einstellen, Informationen ergänzen oder Konzepte zu bestehenden geretteten Baudenkmalen hochladen.

In ganz Mitteldeutschland gibt es nach wie vor eine große Anzahl an Baudenkmalen, deren Erhalt akut gefährdet ist: historische Innenstadtbebauungen, Industriedenkmale, technische Bauwerke, Bürger- und Arbeiterhäuser, Gasthöfe, Bauernhöfe, Rittergüter und Kirchen, die einmalig und charakteristisch für die Stadt- und Dorfbilder sind. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Lokale wirtschaftliche Entwicklungen sowie der demographische und digitale Wandel mit seinen besonderen Herausforderungen für den ländlichen Raum haben den Bedarf und die Anforderungen an die Gebäude stark verändert. Auch fehlen vielen Eigentümer/innen die Mittel für eine Sanierung oder auch schlicht Ideen und Konzepte für mögliche Nutzungen. In anderen Fällen sind Eigentümer/innen gar nicht greifbar, die Denkmale faktisch herrenlos.

So geht’s: Jedermann kann helfen. Leerstehende und gefährdete Baudenkmale aus ganz Mitteldeutschland können auf einfache Weise im Denkmalradar eingestellt und durch weitere Informationen zu Geschichte, Bauzustand und Herausforderungen der Sanierung ergänzt werden. Die Baudenkmale erreichen eine weitere Öffentlichkeit und erhalten bessere Chancen, neue Nutzer/innen zu finden.

Gleichzeitig berichten Denkmaleigentümer/innen über erfolgreiche Konzepte zu Finanzierungsmodellen, niedrigschwelligen und energieeffizienten Sanierungen, alternativen Wohn- und Arbeitsformen, technische und handwerkliche Lösungen sowie (Um-)Nutzungsideen. Im kommunikativen Austausch finden sich Investor/innen, Nutzer/innen, Mitstreiter/innen, Spender/innen und Sanierungshelfer/innen.

Heutige Herausforderungen sind mehrdimensional. Deshalb werden erfolgreiche Lösungen cross-disziplinär und transsektoral gefunden. Denkmalradar.de bringt Menschen aus Zivilgesellschaft, Verwaltung, Wirtschaft/Handwerk und Wissenschaft in der digitalen und in der realen Welt zusammen, um gefährdete Baudenkmale zu neuen Nutzer/innen zu verhelfen und hilfreiches Wissen rund um die Revitalisierung auszutauschen.

Im Europäischen Kulturerbejahr 2018 setzen wir einen Schwerpunkt auf die sächsischen Spinnmühlen. Diese markieren den Beginn der von Großbritannien ausgehenden Industrialisierung, die die ganze Welt verändern sollte. Das maschinelle Verspinnen von Garn war ein entscheidender Schritt hin zur industriellen Produktionsweise. Bereits ab 1799 wurde in Sachsen dieses Know-how übernommen. Als bedeutende europäische Textilregion zog Sachsen Unternehmer/innen an, in diese Entwicklung zu investieren. Mit den an den Flüssen des Erzgebirgsvorlandes errichteten wasserkraftbetriebenen Spinnmühlen haben sie industrie- wie baugeschichtlich Maßstäbe gesetzt.

Viele der vergleichsweise wenigen erhaltenen Spinnmühlen im Erzgebirgskreis, im Vogtlandkreis, im Landkreis Zwickau und in Mittelsachsen sind heute akut vom Verfall und dem Abriss bedroht. Ende 2017 hat sich daher ein Arbeitskreis aus Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft in Sachsen gegründet, um sich für den Erhalt der historischen Industriebauten einzusetzen. Eine Maßnahme der transsektoralen Arbeitsgruppe ist die Zusammenstellung und Aufbereitung der Informationen zur Bau- und Nutzungsgeschichte der technischen Baudenkmale für die Veröffentlichung auf dem Denkmalradar - als akut bedrohtes Denkmal oder mit seinem Umnutzungskonzept. Die Darstellung der überregionalen Bedeutung und die Beziehung zu den weiteren europäischen Spinnmühlen ist Teil der Öffentlichkeitsarbeit zur Rettung der historischen Industriebauten.

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