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Der Flug- und Luftschiffhafen Frankfurt Rhein-Main in den 1930er-Jahren

Die europäische Stadt Dagmar Stange Stiftung für Zeit- und Fotodokumentation

Heute ist der Flughafen Frankfurt am Main, umgangssprachlich Rhein-Main-Flughafen, der viertgrößte Flughafen von Europa. Mit seinen über 80.000 Beschäftigten und seiner umfangreichen Infrastruktur ist er nicht nur für den Luftverkehr und für die Reisenden, sondern auch für die vielzähligen Dienstleister mit ihren verschiedenen Fazilitäten ein stadtähnliches Konglomerat. Er ist Netzknotenpunkt und Plattform von Technik, Technologie und Menschen. Er ist Schmelztiegel und Spiegel zugleich von europäischen, internationalen Kulturen mit ihren (täglichen) Bedürfnissen, die erfüllt werden müssen. Er ermöglicht Aufbruch und Bewegung, die sich auch in der Stadt Frankfurt am Main niederschlagen. So nennt sich Frankfurt seit 1998 Europastadt als Zeichen der Verpflichtung zur Europäischen Einigung.

Wir schauen in die Vergangenheit, zum Ursprung des Flug- und Luftschiffhafens Frankfurt Rhein-Main, ein Sammelpunkt von rasant entwickelten Flugzeugtypen europäischer Ingenieurkunst, und begegnen der Begeisterung der Reisenden und Beschäftigten der Luftfahrtgesellschaften. Hier trafen sich in 1930er-Jahren Europa und Russland und die Zeppeline ermöglichten die Verbindung und die Fahrten zum amerikanischen Kontinent.

Die umfangreiche private Sammlung aus dem Nachlass von Hermann Benkowitz – Fotos, Postkarten, Flugscheine, Fahrplan der Deutschen Zeppelin­Reederei und Flugpläne der Fluglinien Lufthansa, KLM, ALI, Swissair, sowie Dokumente des Flughafenzolldienstes – eröffnet uns heute einen ebenso authentischen wie ungewöhnlichen Zugang zu dieser faszinierenden Welt, die unaufhörlichen Wandel, Aufbruch und Bewegung in sich vereint.

Der neue Frankfurter Flug- und Luftschiffhafen Rhein-Main wurde am 8. Juli 1936 eröffnet. Der alte Flughafen Frankfurt-Rebstock erwies sich anfangs der 1930er-Jahre als zu klein. Gleichzeitig startete das Luftschiff „Hindenburg“ seine Fahrdienste von Frankfurt nach New York-Lakehurst. Für dieses Luftschiff wurde die größte Luftschiffhalle der Welt errichtet, die zweite war schon im Auftrag. Für die Versorgung der Zeppeline wurde eigens eine Gasleitung zu den Farbwerken Höchst verlegt. Die Flugzeuge landeten auf Graspisten.

Für Crew-Angehörige und die Mitarbeiter der Deutschen Zeppelin-Reederei wurden die ersten Häuser in einem Waldgebiet östlich des Flughafens gebaut – eine neue Gemeinde „Zeppelinheim“ entstand.
Technische Höchstleistungen der Ingenieure spiegelten sich neben den Luftschiffen „Graf Zeppelin“ und „Hindenburg, ebenso in den verschiedenen Flugzeugtypen wie Focke-Wulf, Junkers, Henkel, Douglas. Die europäischen Fluggesellschaften konzentrierten ihre Flugnetze mehr und mehr am Rhein-Main Frankfurt. In Formularen, Aufzeichnungen, Flugtickets hinterlässt Zollwachtmeister Benkowitz Spuren über die analoge Welt am Flughafen, die man noch hautnah erleben konnte.
Schon drei Jahre später, im September 1939 zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde der Flughafen Rhein-­Main samt allen Einrichtungen von der Luftwaffe beschlagnahmt und für den zivilen Flugverkehr geschlossen. Er wurde während des Krieges fast völlig zerstört. Was übrig blieb, wurde in Phasen des Wiederaufbaus und Ausbaus ebenso zerstört. So existiert kein bauliches Relikt aus dieser Zeit. Jedoch war dieser zerstörte Flughafen Grundstein für den Wiederaufbau und Ausbau bis zur heutigen Größe, basierend auf den physischen Errungenschaften der Vergangenheit, ausgerichtet auf künftige Entwicklungen und Erfordernisse.

Der Bildband „Faszination Fliegen – Die zivile Luftfahrt und der Flughafen Rhein-Main in den 1930er-Jahren“ blättert in zahlreichen Dokumenten und Fotos die Anfänge der zivilen Luftfahrt und ihren rasanten Aufschwung in den 1930er­Jahren auf. Aus der Perspektive des einfachen Zollbeamten Hermann Benkowitz, der neben seinen dienstlichen Pflichten am Flughafen rege Kontakte zu den verschiedenen europäischen Fluglinien pflegte, ergeben sich faszinierende Einblicke in die »goldenen Jahre« der Luftfahrt und die damals herrschende Aufbruchstimmung.

In der Ausstellung „Zollgeschichte(n)“ im Zeppelinmuseum in Zeppelinheim sieht der Besucher die „Memorabilien“ für die Abwicklung der Zeppeline durch Zollwachtmeister Benkowitz, dem Protagonisten des Bildbands.

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