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Die Herrschaft Alpen im Spannungsfeld europäischer Mächte

Europa: Erinnern und Aufbruch minerva X - Institut für historische Kulturlandschafts- und Bodendenkmalpflege

Die niederrheinische Gemeinde Alpen im Kreis Wesel unternimmt derzeit im Rahmen eines Stadtumbauprojektes Anstrengungen, einen prominent am östlichen Ortsausgang gelegenen Burghügel zu sanieren. Vom Mittelalter bis in die Neuzeit hinein dominierte die urkundlich 1329 erstmals fassbare Burg der Herren von Alpen das Stadtbild bis sie im späten 18. Jahrhundert verfiel. Das Herrschergeschlecht aus dem einflussreichen Haus Neuenahr hatte ab 1422 Jahrhundert das Amt des Erbvogtes des mächtigen Erzbistums Köln inne. In der Grenzregion zu den Herzogtümern Geldern und Kleve beinhaltete dieses Amt besondere politische Brisanz.

Unter der Protektion des Haus Neuenahr-Alpen entwickelte sich im 16. Jahrhundert in Alpen die erste reformierte Gemeinde der Region. Für die junge reformierte Gemeinde erwies sich besonders die calvinistische Fürstin Amalia von Neuenahr-Alpen als wegweisende Gönnerin. Amalia war in erster Ehe mit dem Geusen Heinrich von Brederode verheiratet, einem der Reformation zugewandten Anführer der niederländischen Freiheitskämpfer im Spanisch-Niederländischen Krieg. Als Witwe des calvinistischen Kurfürsten Friedrich III. von der Pfalz, mit dem sie in zweiter Ehe verheiratet war, erhielt sie 1590 die Regentschaft über die Herrschaft Alpen und geriet in den Sog der Gegenreformation, blieb aber dennoch der Reformation zugetan. 1601 ließ sie der reformierten Gemeinde Alpens ein Pastoratshaus erbauen. Als sie am 10. April 1602 verstarb, wurde ihr Leichnam in der Alpener Kirche beigesetzt. Noch im Todesjahr Amalias begann der neue Besitzer der Burg Alpen, Graf Arnold von Bentheim-Steinfurt, die Kirche von Alpen für die reformierte Gemeinde zu bauen. Während der Glaubenskriege des 17. Jahrhunderts geriet Alpen erneut in das Spannungsfeld zwischen niederländischen, spanischen und deutschen Interessen, die ihre Kerben in den Geschichtsbüchern aber auch im Allgemeinverständnis der niederrheinischen Bevölkerung hinterließen. Im späten 18. Jahrhundert wurde die geschichtsträchtige Burg Alpen als Wohn- und Amtssitz aufgegeben. Zeitweise diente sie im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) noch als Lazarett. Bereits in napoleonischer Zeit wurde die Burg unter der Herrschaft der Franzosen Stein um Stein abgetragen um damit den Damm der Chaussée nach Wesel zu bauen. Somit fiel der historische Dreh- und Angelpunkt der Gemeinde Alpen der endgültigen Zerstörung anheim. Einen Eindruck zum Leben und zur Alltagskultur auf der Burg Alpen überliefern nun lediglich die Hausordnung sowie die Beschreibung zur Hofhaltung aus dem 16. Jahrhundert, die im fürstlichen Archiv überliefert sind.

Der Burghügel als solcher bekam noch einmal in den letzten Monaten des 2. Weltkriegs seine Schutzfunktion zurück, als Alpener Bürger/innen in verzweifelter Eigeninitiative einen stollenartigen Bunker hineintrieben. Der Bunker wurde in den letzten Bombennächten des Krieges zum Zufluchtsort für mehr als hundert Bewohner/innen des Ortes. So legt das Bodendenkmal Motte Alpen (WES 26) heute beredtes Zeugnis über politische sowie religiöse Konflikte aber auch über Phasen der Prosperation in der Grenzregion des Niederrheins ab und spannt einen Bogen aus dem Mittelalter bis in die Moderne.

Trotz seiner bewegten Geschichte war der aufgelassene Burghügel, der im Volksmund als Kasteel bekannt ist, in den letzten Jahrzehnten völlig verwildert. Das Fachbüro minerva X - Institut für historische Kulturlandschafts- und Bodendenkmalpflege ist von der Gemeinde Alpen mit der Entwicklung eines Nutzungskonzeptes für die Wertbarmachung des eingetragenen Bodendenkmals beauftragt. Ziel ist es, den geschichtsträchtigen Ort noch 2018 in ein für Bürger/innen und Besucher/innen attraktives Ausflugsziel zu verwandeln, wo auch dessen Historie, sowohl die Ältere als auch die Jüngere, erfahrbar wird.

Die Umsetzung erfolgt in vier Schritten:
Zunächst wurde mittels eines 3D-Laserscans und nichtinvasiver geophysikalischer Aufnahmen der status quo des Bodendenkmals dokumentiert.
Im zweiten Schritt wird derzeit Lage und Zustand des Weltkriegsbunkers ermittelt, bevor in einer archäologischen Sachverhaltsermittlung die noch erhaltenen Fundamente von Schloss Alpen kartiert und an deren Oberkante freigelegt werden sollen. Weitere Sondagen sollen den Aufbau des Wehrgrabens der Anlage klären. Ziel ist es in einem vierten Schritt die historische Substanz im Einklang mit denkmalpflegerischen Belangen vor Ort zu visualisieren umso die Burganlage für Besucher/innen erfahrbar zu machen.

Die Ergebnisse der jetzt angelaufenen Untersuchungen wird das Fachbüro minerva X am Tag des offenen Denkmals am 9. September 2018 der Öffentlichkeit präsentieren.