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Die Strassen von Marseille – les rues de Hambourg

Die europäische Stadt Denkmalschutzamt Hamburg

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die deutsch-französische Freundschaft zu einem der Grundpfeiler des europäischen Zusammenwachsens und 1963 mit dem Elysée-Vertrag bekräftigt. Bereits seit den 50ern entwickelten sich zahlreiche Städtepartnerschaften zwischen beiden Ländern, so 1958 auch die Partnerschaft zwischen den beiden großen Hafenstädten Hamburg und Marseille. Dass diese Partnerschaft in diesem Jahr bereits ihr 60. Jubiläum begeht, ist ein Grund zur Freude und zum Feiern. Doch in Europa insgesamt ist die Euphorie der Anfänge heute tiefer Skepsis und Sorge um Europa gewichen.

Wie kaum ein anderes Thema ist das kulturelle Erbe geeignet, um den zunehmenden Zentrifugalkräften in Europa zu begegnen. In diesem Jahr rufen deshalb die höchsten Gremien der EU, die Kommission und das Parlament, mit dem Europäischen Kulturerbejahr 2018 zu einer Auseinandersetzung mit dem vielfältigen kulturellen Erbe Europas auf. Mit Fokus auf immerwährenden grenzübergreifenden Austausch und verbindende kulturelle Wurzeln soll damit das Bewusstsein für Europa als gemeinsame Heimat gestärkt werden.

Mit der Betrachtung deutscher und französischer Städte im Vergleich können wir Themen der Baukultur ins Bild setzen, welche exemplarisch für die europäische Stadt und unser gemeinsames europäisches Erbe stehen. Einen solchen Vergleich stellt die Ausstellung „Die Straßen von Marseille - Les rues de Hambourg“ dar.

Gegenübergestellt werden Stadtansichten der beiden Partnerstädte. Einige dieser Darstellungen zeigen sogar ganze Straßenzüge („Streetlines“) und machen so sichtbar, was der Betrachter von einem Punkt aus normalerweise nicht sehen kann. So offenbaren sich neue Zusammenhänge - in der Architektur, der Struktur unserer Städte, sowie in ihrer historischen und gesellschaftlichen Entwicklung.

Sowohl Hamburg als auch Marseille sind die jeweils zweitgrößten Städte ihres Landes, werden aber meist zuerst als Hafenstädte wahrgenommen. So schauen wir uns zunächst beispielhaft an, welchen Einfluss die Häfen auf die Architektur im Stadtbild hatten. Hamburg ist seit 2015 mit der Speicherstadt und dem Kontorhausviertel UNESCO-Weltkulturerbestadt. Beide Quartiere entstanden im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, in direktem Zusammenhang zum Hamburger Freihafen mit großflächigen Lager- und Bürohauskomplexen. Vergleichbar mit der Speicherstadt ist das Ensemble „Les Docks“ im Hafen von Marseille. Mitte des 19. Jahrhunderts als Lagerhaus-Komplex errichtet, wurde er mittlerweile komplett in moderne Büros umgewandelt.

Zum Bild der Hafenstadt passen auch die Fischmarkthallen, die sowohl in Hamburg als auch in Marseille entstanden und beide inzwischen für kulturelle und Veranstaltungszwecke umgenutzt wurden. Mittlerweile zieht die Moderne im Hafen ein, sowohl in der Hafen-City Hamburgs als auch in der Euroméditerranée in Marseille – nicht zuletzt mit spektakulären Bauten wie der Elbphilharmonie und dem Mucem.

Jenseits der direkten Wasserlage werfen wir einen Blick in die geschäftlichen Hauptschlagadern beider Städte und entdecken die prachtvollen Geschäftshäuser in der Mönckebergstraße und der Canebière neu. Wir betrachten, wie Kirchen in beiden Städten das Stadtbild prägen, zeigen die großartigen Bahnhöfe, beispielhafte Altstadtstraßen, öffentliche Gebäude, Hochhausbauten der Nachkriegszeit und auch, wie heute kreative Streetart ganze Straßenzüge und Fassaden prägen kann.

So erleben wir einerseits die Vielfalt, gleichzeitig auch die Parallelen und gemeinsamen Traditionen unserer Baukultur – ganz im Sinne des Europäischen Kulturerbejahres 2018.

Die Ausstellung wurde auf Initiative des Hamburger Denkmalschutzamts von der Agentur Panorama Streetline in Kooperation zwischen den Städten Hamburg und Marseille erstellt, die auch Träger der Ausstellung sind. Unterstützt wird ihre Realisierung von der Stiftung Denkmalpflege Hamburg und dem Goethe-Institut Marseille. Sie wird zunächst in der Europawoche in Hamburg und anschließend im Juli in Marseille gezeigt.

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