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Die „weiße“ Stadt – das mährische Brünn/Brno im Zeichen der Moderne

Die europäische Stadt Deutsches Kulturforum östliches Europa

Das Ende des Ersten Weltkriegs, dessen wir 2018 gedenken, war für zahlreiche Länder im östlichen Europa mit dem Übergang in die Unabhängigkeit verbunden. Die damit verbundene Aufbruchstimmung spiegelt sich auch in der Architektur wider.
Eine der zahlreichen mittel- und osteuropäischen Städte, in denen die Vielzahl an Architekten der Moderne und Bauwerken des Funktionalismus besonders ins Auge fällt, ist das mährische Brünn/Brno. Mit der kurz nach Ausrufung des tschechoslowakischen Staates gegründeten Masaryk-Universität besitzt die zweitgrößte Stadt des Landes gleich zwei Architektenschmieden. Die neue Bauweise erlaubte es, sich von jahrhundertelanger Fremdherrschaft zu distanzieren und das barocke Erbe der Habsburgermonarchie zu konterkarieren; aber auch die aristokratisch oder bürgerlich geprägte Salonkultur erfuhr mit den neuen schnörkellosen und zweckmäßigen Gebäuden eine Abfuhr. Verstärkt wurde die Konzentration auf das Eigene, auf das Nationale, durch den Wechsel im Stadtrat: Im Gegensatz zur Hauptstadt Prag, wo sich der Traditionalismus des deutsch-tschechischen Zusammenlebens zunächst durchzusetzen schien, wurde Brünn nach Ausrufung der Unabhängigkeit tschechisch, schien sich von der Vergangenheit loszusagen. Präsident Tomás Garrigue Masaryk bezeichnete das einfache, utilitäre und gesunde Wohnen als die grundlegende Aufgabe der Zeit und festigte damit von höchster Ebene aus die Rolle des Funktionalismus als dominanten Ausdruck nationaler tschechoslowakischer Architektur.
Der Reichtum funktionalistischer Architektur dieser „weißen Stadt“ und die damit einhergehende Geisteshaltung – der politische und gesellschaftliche Neugestaltungswille der 1920er Jahre – soll Studierenden der Bauhaus-Universität Weimar bei einer mehrtägigen Erkundung vermittelt werden. Besichtigungen, Referate, Diskussionen mit Experten und das eigene Zeichnen der gut dokumentierten Baudenkmäler stehen auf dem Programm, eine Werkschau der Arbeiten findet zum Auftakt des Bauhausjubiläums 2019 im Foyer der Bauhaus-Universität Weimar statt.

Format: Zeichenexkursion

Projektträger: Deutsches Kulturforum östliches Europa (Potsdam) in Kooperation mit der Bauhaus-Universität Weimar

Ansprechpartnerin: Ariane Afsari (Deutsches Kulturforum östliches Europa)