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Ehemaliger Flughafen Tempelhof: Erinnerungs- und Lernort

Europa: Erinnerung und Aufbruch Stiftung Topographie des Terrors

Die Europäische Union steht trotz aller Krisen noch immer für die Verständigung der europäischen Völker und gilt als Garant für Frieden und Stabilität auf dem Kontinent. Ihre Entstehung ist eng verbunden mit den Erfahrungen des Nationalismus im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert, der nationalsozialistischen Besatzung vieler europäischer Länder und schließlich dem Schrecken des Zweiten Weltkriegs und den Millionen Todesopfern in ganz Europa und vielen anderen Teilen der Welt. Berlin ist die Stadt, von der aus die Ermordung von Millionen von Menschen organisiert und verwaltet wurde. Berlin ist aber auch die Stadt, in der sich heute viele Europäerinnen und Europäer aufhalten, weil sie hier leben und zu Berlinerinnen und Berlinern werden oder weil sie für wenige Tage die Stadt besuchen. Sie erleben eine weltoffene Gesellschaft, die sich mit den Auswirkungen des NS-Terrors auf Deutschland und Europa aktiv auseinandersetzt.

Die meisten Besucherinnen und Besucher verbinden ein Stück Geschichte mit dem 2008 stillgelegten Flughafen Tempelhof. Dieses Stück Geschichte ist stark geprägt von der Herkunft der Besucherinnen und Besucher. So haben einige Besuchergruppen Kenntnis von der Luftbrücke 1948/49 und haben die Bilder der „Rosinenbomber“ vor Augen, andere denken vielleicht an das „Tor zur freien Welt“, durch das die DDR-Flüchtlinge nach Westdeutschland gelangten und das das eingeschlossene Berlin mit den westeuropäischen Ländern verband, andere wiederum haben Kenntnisse über den Einsatz von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern für die Rüstungsproduktion am Flughafen Tempelhof.

Der ehemalige Flughafen ist ein Ort der Zwangsarbeit und damit der unmenschlichen Behandlung tausender Arbeitskräfte aus circa 20 europäischen Nationen; er ist ein Ort der Rüstungsproduktion und steht somit unmittelbar für die Zerstörung zahlreicher europäischer Städte wie Warschau, Rotterdam, Coventry und London. Anhand seiner Geschichte kann jungen Europäerinnen und Europäern gezeigt werden, welche Auswirkungen es haben kann, wenn die Europäischen Nationen den Weg der Einigung verlassen und eine nationalistische Politik wieder stärker in den Vordergrund rückt. Der Flughafen ist aber auch zugleich ein Ort des Einsatzes für Freiheit und Demokratie: ein Ort, an dem die Westalliierten mit der Luftbrücke für die Freiheit Berlins eintraten; ein Ort, von dem aus viele, die vor den kommunistischen Regimen flohen, in den Westen gelangten. Und als Flughafen ist Tempelhof zugleich ein Ort, der schon in den 1920er Jahren mit dem aufkommenden zivilen Flugverkehr die europäischen Länder miteinander verband.

Das Projekt „Ehemaliger Flughafen Tempelhof: Erinnerungs- und Lernort für unterschiedliche Formen des Erinnerns und Austauschs verschiedener Zugänge zum kulturellen Erbe Europas“ der Stiftung Topographie des Terrors besteht in der Erarbeitung einer temporären Ausstellung zum ehemalige Flughafen Tempelhof, der Durchführung eines Veranstaltungsprogramms sowie von Workshops/Begegnungen mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen und Zeitzeugen aus ganz Europa. Thematisiert wird die Geschichte des Flughafens in der NS-Zeit (u.a. Zwangsarbeiterlager, Rüstungsproduktion), zur Zeit des Kalten Krieges (u.a. „Tor zur freien Welt“, Luftbrücke) und als Verbindung europäischer Metropolen seit den 1920er Jahren.

Die Stiftung Topographie des Terrors arbeitet in diesem Projekt mit verschiedenen Partnern zusammen. Das Veranstaltungs- und Bildungsprogramm soll im Frühjahr 2018 beginnen. Die Eröffnung der Ausstellung ist für September 2018 im ehemaligen Flughafengebäude geplant.

Das Projekt wird jeweils zur Hälfte von der Bundebeauftragten für Kultur und Medien (BKM) und der Senatsverwaltung für Kultur und Europa des Landes Berlin getragen.