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Europäisches Kulturerbejahr in der Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur

Europa: Erinnern und Aufbruch Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur

Das Ruhrgebiet zwischen den Flüssen Emscher, Ruhr und Lippe im Westen Deutschlands zeichnet sich durch Stätten von außergewöhnlichem Wert aus. Sie dokumentieren in weltweit einzigartiger Dichte und Ausdehnung die Veränderung einer Landschaft und die Entwicklung der Technik-, Industrie-, Sozial- und Stadtgeschichte von der Mitte des 19. bis weit in das 20. Jahrhundert hinein.

Grundlegend für diese Entwicklung war die Nutzung der Bodenschätze, insbesondere die des mitteleuropäischen Kohlegürtels. Über mehr als hundertfünfzig Jahre unterlag die vormals agrarisch geprägte Landschaft einer radikalen Umformung hin zu einer hochgradig verdichteten städtisch-industriellen Agglomeration, die sich zum „industriellen Herzen“ Europas und zu einem seiner größten spezifisch bedingten Ballungsräume entwickelte. Entstanden ist eine industriell geprägte Kulturlandschaft mit universell bedeutenden Zeugnissen, die die technische, architektonische und sozialgeschichtliche Entwicklung des Industriezeitalters seit 1830 dokumentieren.

Mit dem Ende des Steinkohlenbergbaus im Jahr 2018 in Deutschland und damit in Nordrhein-Westfalen und im Saarland stellt sich die Frage nach den Perspektiven für das montanindustrielle Erbe und dessen Bedeutung für ein Verständnis der Vergangenheit, das nicht rückwärtsgewandt ist, sondern zukunftsorientiert.

Die Industriedenkmalstiftung wird im Rahmen des Projekts „Glückauf Zukunft“ der RAG-Stiftung dieser Frage nachgehen und am 16. und 17. Mai 2018 an einem ihrer Denkmalstandorte, der Maschinenhalle Zweckel in Gladbeck, eine Tagung zum Thema „Glückauf Industrielles Erbe – Bedeutung und Vision für NRW“ veranstalten.

Die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur ist bundesweit die einzige Stiftung, deren Schwerpunkt auf dem Erhalt hochrangiger Industriedenkmale liegt. Dabei verfolgt sie das klare Ziel, historisch bedeutenden Anlagen vor dem Abriss zu bewahren, sie zu sichern, wissenschaftlich zu erforschen – und öffentlich erlebbar zu machen. Die Stiftung wurde 1995 vom Land Nordrhein-Westfalen und der RAG Aktiengesellschaft gegründet. Sie gibt den Anlagen Zeit, sich zu neuen, identitätsstiftenden Orten für Handel, Gewerbe, Freizeit, Kunst und Kultur zu entwickeln, führt Bausicherungs- und Instandsetzungsarbeiten an den Gebäuden durch, entwickelt Nutzungskonzepte für einzelne Baukörper oder die gesamte Anlage und trägt durch Öffentlichkeitsarbeit dazu bei, die Akzeptanz für Belange der Industriedenkmalpflege zu erhöhen.

Mittlerweile zählen Industriedenkmale an 14 Standorten in NRW zum Bestand. Es sind Relikte von Anlagen des Steinkohlenbergbaus, wie z.B. Fördergerüste, Schachthallen und Maschinenhäuser, des Weiteren eine Kokerei als Beleg der Verbundwirtschaft im Ruhrgebiet, ein Denkmal der Energiewirtschaft in Gestalt eines historischen Pumpspeicherkraftwerks und ein Osemund-Hammerwerk als technikgeschichtliches Zeugnis.

Neben der Tagung „Glückauf Industrielles Erbe“ beteiligt sich die Stiftung zudem am „Tag des offenen Denkmals“, ein Projekt im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres, und öffnet an diesem Tag an zehn Denkmalstandorten die Türen und Tore für interessierte Besucher/innen. Die Kokerei Hansa ist zudem einer der rund 100 ERIH-Standorte, die am 1. Mai 2018 das Tanzevent „Work it out – Day of Industrial Culture“ im Rahmen von „Sharing Heritage“ veranstalten.

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