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Friedensrufe

Europa: Erinnern und Aufbruch Seicento vocale

Erinnerungskultur ist eines der Schlagworte in gesellschaftlichen Debatten unserer Zeit und in Anbetracht des allmählichen Verschwindens der Zeitzeugen der großen Katastrophen des 20. Jahrhunderts aktueller denn je. 2018 jähren sich zwei denkwürdige Ereignisse, die Europa gänzlich verändern sollten, auf besondere Weise: Der Beginn des dreißigjährigen Krieges durch den Prager Fenstersturz 1618 und der Waffenstillstand von Compiègne, der 1918 die Kampfhandlungen des ersten Weltkriegs beendete. Ausgehend davon konzipierte Seicento vocale das aktuelle Programm "Friedensrufe", das in mehreren Konzerten in Bremen und NRW zu hören ist und unter anderem Werke von Viktor Ullmann, Ernst Krenek und Max Reger umfasst.

Das Melodram "Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke" (komponiert 1944 im KZ Theresienstadt) des Komponisten Viktor Ullmann, der im KZ Auschwitz-Birkenau 1944 ermordet wurde, greift zurück auf eine Erzählung von Rainer Maria Rilke, die zur Standardlektüre in den deutschen Schützengräben des ersten Weltkriegs gehörte. Die Handlung spielt im Türkenkrieg 1663 und zeigt die große Spannung zwischen Glorifizierung des Heldentods und der Sinnlosigkeit jungen Sterbens. Ernst Kreneks "Kantate von der Vergänglichkeit des Irdischen" für Sopran, Chor und Klavier (entstanden 1932) verarbeitet Lyrik aus dem dreißigjährigen Krieg, die das humanitäre Desaster dieser Katastrophe und das Verlangen nach Frieden lebendig macht. In Anbetracht der Entstehungszeit wirkt das Stück wie eine düstere Vorahnung. Den Abschluss des Programms bildet das Requiem op.144b, von Max Reger, das er 1915 "dem Andenken der im Kriege 1914/15 gefallenen deutschen Helden gewidmet" hat. Der Text aus der Feder Friedrich Hebbels mit den Anfangsworten "Seele, vergiss nicht die Toten" wirkt im Sinne der Erinnerungskultur als Menetekel auch bis in die heutige Zeit.

Seicento vocale ist ein junges, professionelles Vokalensemble, das überwiegend aus Studierenden und Absolventen der Hochschule für Musik Detmold sowie weiteren Sängerinnen und Sängern aus ganz Deutschland besteht. Seicento, 600, steht als Kurzform für "mille seicento" und somit für die Kultur des 17. Jahrhunderts, die Grundlage für Programmkonzepte des Ensembles darstellt und sich in diesem Programm besonders in den Werken von Ullmann und Krenek wiederfindet. Mit dem Ensemble musizieren als Solisten Cornelia Samuelis (Sopran), Janina Hollich (Alt) und Cornelia Weiß (Klavier). Die Leitung teilen sich die beiden Dirigenten des Ensembles Jan Croonenbroeck (Darmstadt) und Alexander Toepper (Münster).

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