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Gedenkkonzert – 80 Jahre “Polenaktion”

Europa: Erinnern und Aufbruch Das Diplomatische Streichquartett

Bei dem geplanten Projekt handelt es sich um eine Erweiterung der jährlich durchgeführten deutsch-polnischen Kooperation KULTURBRÜCKE ÜBER DIE ODER 2018. Das Projekt verfolgt das Ziel, im grenznahen Bereich mit kulturellen Begegnungen auf das gemeinsame geschichtliche kulturelle Erbe der alten Kulturlandschaft „Lebuser Land“ aufmerksam zu machen und einen Beitrag deutsch-polnischen Verständigung in diesem Landschaftsraum zu leisten. Getrennt durch die Oder, geteilt durch die Folgen von Flucht und Vertreibung sowie durch sprachliche und soziokulturelle Barrieren, hatten es die Menschen der Region schwer, ein gemeinschaftliches Bewusstsein für den von ihnen bewohnten Raum zu finden. Heute, in einem einigen Europa, schwindet das Trennende wieder. Empfanden die Alten ihre Region oft noch als fremd, fühlt die junge Generation sich mittlerweile heimisch. Dennoch sind die kulturellen, religiösen und politischen Unterschiede zwischen Polen und Deutschen noch deutlich verfestigt. Die komplizierten geschichtlichen Ereignisse haben diesen Annäherungsprozess erschwert.

Mit dem Titel "80 Jahre Polenaktion" greift das Vorhaben in diesem Jahr ein Thema auf, das an die Zwangsausweisung polnischer Juden aus dem "Deutschen Reich" vor 80 Jahren erinnern soll. Dazu sind im polnische Zbąszyń (dort wurden Ende Oktober 1938 tausende Juden auf dem Bahnhofsgelände unter menschenunwürdigen Bedingungen interniert) und in der brandenburgischen Stadt Beeskow zwei Begegnungen unter Beteiligung von polnischen und deutschen Besuchern geplant, in deren Zentrum jeweils ein Konzert des Diplomatischen Streichquartetts mit Musik jüdischer Komponisten steht. Mit der geplanten Berliner Veranstaltung in Berlin ist die Erweiterung dieser grenzübergreifenden Kooperaion in einem Ort geplant, der für die geschichtlichen Ereignisse im Oktober/November 1938 von besonderer Tragweite war. Mit der Mendelssohn-Remise in der Jägerstraße wurde eine Lokalität gewählt, die einen starken inhaltlichen Bezug zur Geschichte des Berliner Judentums aufzeigt. Inhalt der Veranstaltung ist ein Konzert des Diplomatischen Streichquartetts mit Werken jüdischer und polnischer Komponisten. Flankiert wird das Konzert durch zwei Fachvorträge zu den Themen "80 Jahre 'Polenaktion' und die historischen Folgen für die polnischen Juden“ sowie „Gegenwärtige Situation des polnischen und deutschen Judentums".

Ziel der Veranstaltung ist es auch, auf Erinnerungsorte zur deutsch-jüdischen Geschichte aufmerksam zu machen, die aus dem kollektiven Bewusstsein nahezu verschwunden sind. Damit ergänzt die in Berlin geplante Veranstaltung unmittelbar die Ideen des Projektes KULTURBRÜCKE ÜBER DIE ODER.

Initiator des Projektes ist „Das Diplomatische Streichquartett Berlin“, ein Ensemble, das sich primär der Aufführung von Werken vergessener jüdischer Komponisten in Europa widmet. Das Quartett hat in Zusammenhang mit unterschiedlichsten Veranstaltungen in der Schweiz, in Italien und in Polen die Erfahrung gemacht, dass das Publikum mit musikalischen Mitteln oft sehr unmittelbar erreicht wird. Thematische Inhalte können so oft mit geschärfter Aufmerksamkeit und Intensität vermittelt werden. Dies zeigt sich besonders bei der Aufführung von Musik, die in der Nazizeit verboten wurden und deren Tonsetzer politisch verfolgt und/oder Opfer des Holocoust wurden. Vor diesem Hintergrund verstehen wir das geplante Vorhaben auch als Modellprojekt in Hinblick auf die Vermittlung von Musik und der damit im Zusammenhang stehenden historischen Ereignissen, besonders hier in Berlin, einer Stadt mit kontinuierlich wachsendem Bevölkerungsanteil jüdischen Glaubens.