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Genial digital? – Ein Projekt zur Entwicklung und Erprobung digitaler Vermittlungsmethoden im Kunstmuseum

Europa: Gelebtes Erbe Anja Gebauer

Das Projekt leistet einen Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr, indem der Blick der nachwachsenden Generation auf das kulturelle Erbe und dessen Vermittlung ermöglicht wird. Die Institution Museum bewahrt stets ein bedeutendes Kulturerbe auf und ist durch seinen Bildungsauftrag auch für dessen Vermittlung zuständig.

Im heutigen Zeitalter müssen sich Museen enormen Herausforderungen und zugleich Chancen stellen - die Digitalisierung ist eine davon. Daher werden immer mehr Konzepte zur Nutzung digitaler Medien in der Kunst- und Kulturvermittlung entwickelt. Doch an dieser Stelle muss unbedingt die Zielgruppe und die nachwachsenden Generationen, die als Kulturerben gelten, einbezogen werden. In diesem Projekt soll dies geschehen, indem Kinder partizipativ und federführend in die Entwicklung digitaler Konzepte einbezogen werden.

Kinder und Studenten erarbeiten im Projekt gemeinsam digitale Vermittlungsstationen, die in der Städtischen Galerie Lenbachhaus erprobt werden. Das Lenbachhaus ist mit seiner größten Sammlung der Münchner Avantgarde "Der Blaue Reiter" ein bedeutender Identitätsanker des kulturellen Raums München. Denn die Künstler prägten das Selbstverständnis der Kunst- und Kulturstadt München enorm, was bis heute spürbar ist. Die Sammlung "Der Blaue Reiter" eignet sich zudem besonders durch die Zugänglichkeit für Kinder für den Bereich „Gelebtes Erbe“ . Zunächst weist das Thema für diese einen starken Lebensweltbezug auf, da die Künstler überwiegend in München lebten und arbeiteten. Fotografien etc. verbinden die Kinder mit ihrem eigenen Lebensraum, erkennen die kulturelle Bedeutsamkeit, fühlen sich persönlich einbezogen und reflektieren das Selbstverständnis der Stadt München, die vom Blauen Reiter geprägt wurde. Zudem orientierten sich die Künstler an einer primitiven und kindlichen Formsprache. Durch die expressive Farbigkeit und die starke Symbolik ergeben sich Bildwelten, die für Kinder gut zugänglich sind. Zugleich besitzt die Künstlervereinigung einen weitreichenden Einfluss auf die europäische Kunstgeschichte. Somit stellt der Blaue Reiter ein Thema dar, dass sich hervorragend zur aktiven Auseinandersetzung mit Kindern eignet. Es entsteht ein spannender "junger" Blick auf ein lokal und zugleich weitreichend bedeutsames kulturelles Erbe.

Als Ausgangspunkt erfolgt ein Besuch der Sammlung Blauer Reiter im Lenbachhaus zusammen mit Kindern (ca. 8-12 Jahre) und Studenten des Instituts für Kunstpädagogik der LMU München. Dort bilden sich Kleingruppen. Ausgehend von den Interessen der Kinder werden pro Gruppe unterschiedliche Themenschwerpunkte in der Sammlung des Blauen Reiters gewählt. Gemeinsam sollen Kinder und Studenten zusammen recherchieren, erproben und sich mit den Themen auseinandersetzen. Gearbeitet wird dabei u.a. an Tablets. Dabei wird in der Seminarzeit prozessorientiert gearbeitet - teilweise an der LMU und mit Einzelterminen an einer Kooperationsschule im Münchner Innenraum. Im Zentrum steht dabei, wie Kinder die Inhalte ihres Themas an andere Kinder vermitteln möchten. So sollen verschiedene digitale Stationen entstehen, welche die gewählten Themen des Blauen Reiters näherbringen.

Die Kinder reflektieren in dem Projekt ihren eigenen Zugang zum kulturellen Erbe. Zudem übernehmen sie die Perspektive der Vermittlerrolle hinsichtlich eines selbst gewählten Themas. Ein aktiver und reflektiver Austausch über die Grenzen kultureller Institutionen soll so entstehen. Abschließend werden die einzelnen Elemente im Lenbachhaus erprobt und die konzipierten Vermittlungsstationen abschließend präsentiert. Die Kooperationsschule ist die Montessorischule am Olympiapark. Die Kinder nehmen am Projekt im Zuge eines freiwilligen Ganztagsangebotes teil, es werden 11 Kinder im Alter von 11-14 Jahren sein.

Das Projekt wird zudem von wissenschaftlichen Hilfskräften begleitet und von dem Förderprogramm Kooperationsprojekte des Stadtjugendamts der Landeshauptstadt München und des Netzwerks Interaktiv gefördert.
Teilnehmende Institutionen sind das Institut für Kunstpädagogik der LMU, die Montessorischule am Olympiapark und die Städtische Galerie Lenbachhaus. Das Projekt findet im Zeitraum Oktober 2017 bis Februar 2018 in München statt.

Anschließend wird Anja Gebauer im Rahmen ihrer Forschungsarbeit mit den Ergebnissen des Projekts weiterarbeiten. Im Jahr 2018 wird ein interaktiver, kindgerechter Multimediaguide für das Lenbachhaus entwickelt werden. Dieser soll anschließend unter kunstpädagogischen Aspekten erforscht werden. Somit sollen Erkenntnisse für digitale Konzepte zur musealen Kunstvermittlung gewonnen werden. Denn um das kulturelle Erbe zu bewahren, sach- und zielgruppengerecht zu vermitteln und nachfolgende Generationen dafür zu begeistern, müssen Konzepte evaluiert und erforscht werden.

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