// Projekte // heiEducation Cluster Kulturelles Erbe: Materielles und immaterielles Kulturerbe in lokalen und regionalen Bildungs-und Vermittlungsprozessen

heiEducation Cluster Kulturelles Erbe: Materielles und immaterielles Kulturerbe in lokalen und regionalen Bildungs-und Vermittlungsprozessen

Europa: Gelebtes Erbe heiEducation-Cluster Kulturelles Erbe

Im Mittelpunkt der Arbeit des heiEDUCATION Clusters Kulturelles Erbe steht die Bedeutung unseres kulturellen Erbes innerhalb schulischer Bildungsprozesse. Den Vertreter/innen des Clusters geht es vor allem darum, das global angelegte und heute im Rahmen der UNESCO-Initiativen und Konventionen auch global ausstrahlende Konzept des „Heritage“ bzw. Kulturerbes für die Vermittlung in lokalen bzw. regionalen Bildungskontexten aufzubereiten.

Materielles wie auch immaterielles Kulturerbe sind Forschungsgegenstand unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen. Unter Rückgriff auf einen kulturwissenschaftlich und hermeneutisch ausgerichteten Ansatz führt der heiEDUCATION Cluster unterschiedliche historisch, philologisch und systematisch arbeitende Disziplinen produktiv zusammen. Kulturelles Erbe als solches ist nicht einfach vorhanden. Es ist vielmehr Gegenstand höchst komplexer gesellschaftlicher, politischer und wissenschaftlicher Aushandlungsprozesse. Es geht bei der Beschäftigung mit Kulturerbe also nicht darum, vergangene Epochen ‚in Wert zu setzen‘, sondern darum, die historische und/oder kulturelle Prägung des Kulturerbes im Rahmen gegenwärtiger Geschichtskulturen und Identitätsdiskurse in den Blick zu nehmen. Kulturerbe kann so zusammengefasst mit unserem erlernten Wissen über ebendieses Erbe gleichgesetzt werden.

Das didaktische Potenzial des Kulturerbes liegt vor allem in seiner ‚Vermittlerposition‘ zwischen Vergangenem, Gegenwärtigem und Zukünftigem. Der Grundgedanke, „Kulturerbe erlebbar zu machen“, um auf diesem Weg die eigene Kultur als Teil eines vielfältigen Erbes der Menschheit zu verstehen, erweist sich für den Schulunterricht nicht nur im Fach Geschichte als besonders anschlussfähig (Verweischarakter des Kulturerbes). Wichtige fachdidaktische Prinzipien wie zum Beispiel ‚Multiperspektivität‘, ‚Lebenswelt- und Gegenwartsorientierung‘ sowie vor allem auch ‚Erfahrung des Fremden‘ lassen sich am Kulturerbe ‚abklopfen‘. So lassen sich im lokalen Kontext, das heißt in und um den Standort Heidelberg herum, einerseits Aspekte des kulturellen Erbes von globaler Bedeutung auffinden und entsprechend für Fragen der Lehrerbildung aufbereiten. Andererseits fördert vor allem das vorhandene materielle Erbe bei Schüler/innen deren sinnliche Erfahrung des Raums sowie deren Imagination: Die vermeintlich ‚stummen‘ Stätten sollen dabei nicht einfach konsumiert werden. Stattdessen gilt es historische Bezüge erst einmal herzustellen. So werden die Reflexions-, Orientierungs- und Sachkompetenz bei Schüler/innen gefördert.

Und nicht zuletzt lässt sich durch eine tiefergehende Beschäftigung mit den Hinterlassenschaften der Vergangenheit (Kulturerbe, aber auch sogenanntes ‚unerwünschtes‘ oder ‚schwieriges Erbe‘) ein Ausgangspunkt für Reflexionen über unseren heutigen Umgang mit dem Kulturerbe finden: Unter anderem da, wo Welterbestätten nicht nur historisch-kulturelle Lernorte, sondern in erster Linie touristische Ziele darstellen: Anhand regionaler Relikte, etwa aus der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft, lässt sich beispielsweise neben der lokalen/regionalen Bedeutung zugleich immer der Blick für die materiellen Hinterlassenschaften anderer diktatorischer Regime vergleichend schärfen. Auch hat jede Weltreligion Klöster und andere Sakralbauten hervorgebracht, die in der noch jungen Disziplin der Sakralbaupädagogik zugänglich gemacht werden. Vor diesem Hintergrund können wir über gemeinsames Erbe ins Gespräch kommen. Gleiches gilt für immaterielle Ausdrucksformen von Kultur wie Bräuche und Rituale, Handwerkstechniken, performative Praktiken aller Art (Musik, Tanz, Riten etc.). Wo das Erbe zerstört wurde und damit nicht mehr besucht oder praktiziert werden kann, kommt der ‚Digitalisierung‘ bereits jetzt eine große Bedeutung zu: Heritage ist dann nämlich (nur) noch virtuell zugänglich.

Die Arbeit des heiEDUCATION Clusters zielt darauf ab, (zukünftige) Lehrer/innen zu befähigen, schulische wie außerschulische Lernorte für kulturelles Erbe (unter anderem die 42 deutschen Welterbestätten) zu kennen und im Rahmen eines innovativen Kulturerbe-bezogenen Unterrichts zu nutzen. So lassen sich auch Konstruktion und Inhalt unserer Geschichts- und Erinnerungskulturen thematisieren. Lehrer/innen wird die Möglichkeit eröffnet, direkt mit Schüler/innen an lokalgeschichtlichen Forschungsprojekten zu partizipieren („globale Fragen vor Ort lokalisieren und beantworten“). Im Kulturerbejahr 2018 ist der heiEDUCATION Cluster an der Durführung der Tagung "Sharing Heritage": Objekte, Prozesse, Akteure" beteiligt.

Ähnliche Projekte