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Ilva – Eiserne Spuren in der Toskana

Europa: Austausch und Bewegung lwl-industriemuseum

Ein Stück Ruhrgebiet findet sich in der Toskana. Diese Aussage mag überraschen, da die Unterschiede offensichtlicher sind als die Gemeinsamkeiten. Tatsächlich sind beide Regionen stark in der Eisen- und Stahlproduktion verwurzelt. Die Bedeutung und den Einfluss des Eisens auf die Toskana zu verdeutlichen, ist Ziel der Fotoausstellung "Ilva – Eiserne Spuren in der Toskana", die im LWL-Industriemuseum Henrichshütte Hattingen zu sehen ist. Gleichzeitig führt die fotografische Momentaufnahme zurück an die Wiege der europäischen Hüttenindustrie.

Diese Wiege liegt in der Toskana. Über 3000 Jahre wurde hier „Ilva“ (etruskisch für „Eisen“) hergestellt. Seit den 1960er Jahren befindet sich die Region im Umbruch. 2015 und 2017 haben zwei deutsche Fotografinnen und drei italienische Fotografen Stätten dieses Strukturwandels dokumentiert. Sie waren in mehreren Kampagnien der toskanischen „Eisenzeit“ auf der Spur: In den Erzgruben auf Elba, in archäologischen Grabungen in Baratti, in arbeitenden Betrieben in Piombino. Die Spannbreite der Motive reicht von ästhetischen Details über die dokumentarische Totale bis hin zu Menschen an ihrem Arbeitsplatz. Manche Aufnahmen sind heute schon Geschichte.

Diese Geschichte von Eisen und Stahl hat die Landschaft der Toskana und ihre Menschen genauso geprägt wie Kunst und Kultur. Die Ausstellung hebt diesen Einfluss auf die Einwohner*innen und die Region hervor. Gleichzeitig zeigt sie, dass Toskana und Ruhrgebiet mehr verbindet, als ihre industrielle Vergangenheit. Auch im Umbruch sind beide Regionen miteinander verbunden. Heute erlebt die Toskana jene Krise, der sich das Ruhrgebiet bereits vor 30 Jahren stellen musste. 2.000 Frauen und Männer kämpfen heute im toskanischen Piombino auf der Eisenhütte „AFERPI“ um ihre Arbeitsplätze. Im Ruhrgebiet sehen die Menschen dagegen schon dem definitiven Ende des Steinkohlenbergbaus entgegen.

In diesem geteilten Erfahrungsraum hat sich in den letzten Jahren ein reger Austausch zwischen der Toskana und dem Ruhrgebiet entwickelt. Entstanden sind dabei tragfähige Verbindungen, die über den rein kulturellen Austausch hinausgehen. Bereits 2015 hatte das LWL-Industriemuseum einen fotografischen Blick in die Toskana geworfen: Pino Bertelli, einst selbst Hüttenarbeiter im gigantischen Werk Lucchini, zeigte in Hattingen unter dem Titel "Uomo e Macchina - Arbeit in der Toskana" seine Bilder von Menschen an ihrem Arbeitsplatz und ergänzte sie durch aktuelle Aufnahmen aus Hattingen. Ilva knüpft genau an dieser Stelle an.

Die Aufnahmen zeigt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) vom 17. Juni bis 9. September in seinem Industriemuseum Henrichshütte Hattingen.