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Immanuel Kant und die Tradition des „Bohnenmahls“

Europa: Gelebtes Erbe Freunde Kants und Königsbergs e.V.

Kultur, Erinnerung und Völkerfreundschaft in Kaliningrad (ehemals Königsberg): Geburtstagsfeier für den Verfasser der Schrift „Zum ewigen Frieden“ in dessen Heimatstadt

Die Tradition des „Bohnenmahls“ am Geburtstag Immanuel Kants in dessen Heimatstadt Königsberg reicht über 200 Jahre zurück. Immanuel Kant (1724-1804), der wohl einflussreichste Philosoph der Neuzeit, hat sein gesamtes Leben – bis auf wenige Unterbrechungen – in Königsberg verbracht. Er pflegte seinen Geburtstag stets im Kreis seiner engsten Freunde zu feiern. Ein Jahr nach Kants Tod lud ein langjähriger Freund Immanuel Kants die Teilnehmer der letzten Geburtstagsrunde zu einem „Erinnerungsfeste" am 22. April 1805 ein. Das war der Beginn der „Gesellschaft der Freunde Kants“, die die jährliche Tischgesellschaft zu Kants Geburtstag ohne eine einzige Unterbrechung bis 1945 in Königsberg fortsetzte. Neue Mitglieder wurden so ausgesucht, wie Kant selbst seine Tischfreunde ausgewählt hatte: dass „verschiedenste Stände und Berufsgruppen“ vertreten sein sollten. Im Jahre 1814 schlug der Astronom Friedrich Wilhelm Bessel vor, denjenigen, der im Folgejahr die Festtagsrede halten sollte, durch eine im Nachtisch versteckte silberne Bohne zu bestimmen. So entstand die Tradition des „Bohnenmahls“.

Nach dem Ende der Sowjetunion konnte die Tradition des Bohnenmahls in Kants Heimatstadt, dem heutigen Kaliningrad, neu begründet werden. Am 22. April 2008 fanden sich Russen und Deutsche zum ersten gemeinsamen „Bohnenmahl“ in Kaliningrad zusammen; seitdem findet es im Zeichen der Aussöhnung von Deutschen und Russen wieder jedes Jahr am 22. April in Kants einstiger Heimatstadt statt. Zu den Initiatoren des gemeinnützigen Vereins „Freunde Kants und Königsbergs e. V.“ gehören auch Nachfahren der damals engsten Freunde Kants.

Die Gesellschaft „Freunde Kants und Königsbergs e.V.“ zählt mittlerweile knapp 200 Mitglieder aus Deutschland, Russland, England, Frankreich, Italien, Dänemark, Belgien, der Schweiz, Japan, Kanada und den USA. Neben der Ausrichtung des jährlichen Bohnenmahls in Kaliningrad hat sich diese Gesellschaft zum Ziel gesetzt, das geistige Erbe der Stadt lebendig zu erhalten und Kants Lehren den heutigen Menschen auf verständliche Weise nahezubringen.

Am 22. April 2018, zu Kants 294. Geburtstag, findet das „neue“ Bohnenmahl zum elften Mal in Kaliningrad statt. Im Rahmen des Europäischen Jahres des Kulturerbes organisiert die Gesellschaft „Freunde Kants und Königsbergs e.V.“ eine mehrtägige Reise nach Kaliningrad mit Ausflügen, Vorträgen, Konzerten, Begegnungen mit Studierenden der Kaliningrader Kant-Universität und natürlich mit dem „Bohnenmahl“. Auf diese Weise wird eines großen Denkers und Moralphilosophen gedacht. Kants Alterswerk „Zum ewigen Frieden“ befasst sich mit der Frage, wie die Völker dauerhaft in Freundschaft leben können. „Das Völkerrecht soll auf einem Föderalismus freier Staaten gegründet sein“, schrieb er 1795 – ein Gedanke, auf dem auch die Europäische Union aufbaut.

Berichte über die Aktivitäten des Vereins finden sich auf Deutsch, Russisch und in anderen Sprachen auf der Internetseite.