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Instandsetzung des Blauen Turms in Bad Wimpfen

Die europäische Stadt Materialprüfungsanstalt Universität Stuttgart

Das zum Teil noch romanische Kalksteinmauerwerk des Turmes aus der Stauferzeit hat durch wiederholte Brände und die Neugestaltung des oberen Turmhelmes im 19. Jahrhundert mehrfache, statisch relevante Veränderungen erfahren. Seit etwa 1851 wird von Rissbildungen im romanischen Mauerwerk berichtet, die im Laufe der Zeit stark zugenommen haben, so dass Anfang der 1970er Jahre eine umfangreiche Sanierungsmaßnahme mit Mauerwerksinjektionen und weiteren statischen Sicherungsmaßnahmen stattgefunden hat. In der Folgezeit sind jedoch erneut umfangreiche, statisch bedingte Rissbildungen eingetreten, deren Ursachen jedoch weitgehend unklar geblieben sind.
Ab 2012 wurde in einem interdisziplinären Team den Schadensursachen systematisch nachgegangen. Archivrecherche, eine grundlegende Untersuchung des vorliegenden Mauerwerksaufbaues, vielfältige Materialuntersuchungen und verschiedene statische Modellberechnungen des Mauerwerks und seiner Beanspruchung wurden in Kombination mit einem vorgeschalteten aufwändigen Testprogramm zum derzeit durchgeführten Instandsetzungskonzept zusammengeführt. Ein seit Beginn der Untersuchungen eingebautes instrumentiertes Monitoringsystem überwacht äußere Einflüsse und die Veränderungen der Geometrie am Turm auch während den Instandsetzungsmaßnahmen.
Neben seinen Funktionen als früherer Hochwachturm und touristisch wichtiger Aussichtspunkt von Bad Wimpfen, ist der Blaue Turm für die Bevölkerung der Stadt seit jeher von einer außerordentlich hohen emotionalen Bedeutung. Als Landmarke grüßt er den Gast wie den Heimkehrenden schon von der Ferne. In seinem Schatten aufzuwachsen bedeutet ein besonders inniges Heimatverständnis zu entwickeln. Dies und die durch viele steinerne Zeugen heute noch nachvollziehbare reichsstädtische Tradition der Stadt führt zu einem gesunden Bürgerstolz, der im Blauen Turm seinen allseits anerkannten Repräsentanten hat. Umso größer war daher auch der Schock in der Bevölkerung, als im Jahr 2012 die immensen Probleme der Gebäudesubstanz deutlich wurden. Dank der finanziellen Unterstützung des Landes, des Bundes, der Denkmalstiftungen und großzügiger privater Zuwendungen, kann die finanzielle Seite für die Durchführung der notwendigen Untersuchungen, Planungen und Bauarbeiten nach heutigem Stand dargestellt werden.