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invisibilis – der Kirchenwiederfinder

Europa: Gelebtes Erbe moderneREGIONAL

Kann eine moderne Kirche unsichtbar werden? Wenn sie aus dem liturgischen Gebrauch genommen, in eine andere Nutzung gegeben oder gar abgerissen wird, dann gehen oft auch ihr Name und ihre Geschichte "verloren". Daher will "invisibilis" diese verborgene Kirchenlandschaft Stück für Stück sichtbar machen: Die virtuelle Karte umfasst entwidmete, umgenutzte, abgegebene oder abgerissene Kirchen der letzten rund 150 Jahre. Die einzelnen Einträge (aktuell sind es gut 850) können angeklickt, nach Kategorien und Umkreis geordnet, in Listen angezeigt und durchsucht werden. Zudem werden auf der Projektseite aktuelle Nachrichten zur Kirchbaumoderne gesammelt. "Invisibilis" ist eine Initiative des Online-Magazins moderneREGIONAL, das seit 2014 ehrenamtlich täglich frische Beiträge und vierteljährliche Themenhefte rund um die Architekturmoderne veröffentlicht.

"Invisibilis" ist kein vollständiges abgeschlossenes Lexikon, sondern – ebenso wie die moderne Kirchenlandschaft – ein wachsendes, sich veränderndes Gebilde. Ehrenamtlich trägt das moderneREGIONAL-Team seit Anfang 2017 in die virtuelle Karte nach und nach ein, was ihm an Informationen begegnet – und ist sehr dankbar für jeden Hinweis, jede Information, die ihm dabei weiterhelfen kann. Fortlaufend kommen also neue Karteneinträge und aktuelle Nachrichten zur Kirchbaumoderne hinzu. Der Projektname geht zurück auf den Kirchenvater Augustin (354-430). Er unterschied zwischen "ecclesia visibilis" (sichtbare Kirche) und "ecclesia invisibilis" (unsichtbare Kirche). Kurz gesagt: Kirche ist mehr als die Institution, mehr als das vordergründig Sichtbare. Das passt auch für die moderne Kirchenlandschaft, die mehr ist als die Summe liturgisch genutzter Räume. Da sind die Ehemaligen, die Ruhenden, die Verlorenen, die anderweitig Engagierten und die vielleicht Zukünftigen.

Auslöser und bleibende Motivation für "invisibilis" ist, dass sich die – vor allem moderne – Kirchenlandschaft unübersehbar im Umbruch befindet. Dafür werden viele Gründe genannt: weniger Geld, weniger Kirchenmitglieder, weniger Priester, sozialer Wandel in den ehemaligen Neubaugebieten, Sanierungsbedarf moderner Baustoffe, … Also werden viele (moderne) Kirchen aus ihrer angestammten Nutzung genommen. Manche von ihnen kommen in eine neue Nutzung, manche unter den Bagger. In der Regel hat man sich diese Entscheidung vor Ort nicht leicht gemacht, daher wäre jedes pauschale Urteil letztlich falsch. Aber das moderneREGIONAL-Team möchte, dass „weg ist weg“ für diese Kirchen nicht gilt. Jedes dieser modernen Baukunstwerke hat Spuren hinterlassen – im Straßenzug, in der Erinnerung und jetzt auch bei "invisibilis". Und beim Wiederfinden scheinbar verlorener Kirchen ist es manchmal gerade die neue Nutzung, die diesem Raum zu einem zweiten Leben verhilft.