// Projekte // Im Fluss der Zeit – Jüdisches Leben an der Oder

Im Fluss der Zeit – Jüdisches Leben an der Oder

Europa: Grenz- und Begegnungsräume Deutsches Kulturforum östliches Europa

Die Wanderausstellung hat das Ziel das jüdische Leben entlang der Oder von seinen Anfängen bis heute vorzustellen. In Gebieten, die vor dem Zweiten Weltkrieg Teil Pommerns, der brandenburgischen Neumark und Schlesiens waren und seit 1945 zu den polnischen Westgebieten gehören, gab es bereits seit dem Mittelalter eine jüdische Kultur, deren Entwicklung durch den Handel und die Einwanderung aus Ost und West begünstigt wurde. Über Jahrhunderte wurde die Oder-Region zu einem Raum, in dem verschiedene kulturelle Einflüsse sich kreuzten und gegenseitig befruchteten. Spätestens seit dem 19. Jahrhundert führte dies zu einem einmaligen kulturellen und wirtschaftlichen Aufschwung, der aus Städten wie Breslau ein Zentrum der Kunst und Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft machte. Gleichzeitig führte aber das Aufeinandertreffen verschiedener Formen des jüdischen Selbstverständnisses zu Spannungen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft und mit dem Aufkommen des Nationalismus seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zu Konflikten mit der Mehrheitsgesellschaft. Die Verfolgung und Vernichtung der europäischen Juden in der Zeit des Nationalsozialismus zerstörte die deutsch-jüdische Kultursymbiose endgültig und vollständig.

Mit der Neuordnung Europas nach 1945 geriet die Geschichte der ehemals deutschen Ostprovinzen in Deutschland weitgehend in Vergessenheit, insbesondere die jüdische Geschichte war davon betroffen. In der Volksrepublik Polen hingegen war die deutsche Geschichte der neuen polnischen Westgebiete praktisch nicht existent. Die meisten deutschen und polnischen Juden, die den Holocaust überlebten, verließen Polen aus persönlichen, politischen Gründen oder aufgrund von antisemitischen Hetzkampagnen bis 1968. Viele derjenigen, die blieben, bekannten und bekennen sich nicht zu ihrem Judentum bzw. zu ihrer jüdischen Herkunft und leben bis heute als sog. hidden Jews.

Materielle Spuren des jüdischen Lebens an der Oder, die den Zweiten Weltkrieg überdauerten, wurden in Polen bis in die 1980er Jahre hinein vielerorts zweckentfremdet oder zerstört. Nur langsam beginnen die früheren und heutigen Bewohner der Oder-Region sowie ihre Nachkommen sich des jüdischen Erbes ihrer Heimat anzunehmen. Ein Paradebeispiel für die Beschäftigung mit dem jüdischen Kulturerbe ist die 2006 ins Leben gerufene Bente-Kahan-Stiftung in Breslau/Wrocław.

Die Ausstellung, die in deutscher und polnischer Sprache realisiert wird, wird ab Mitte 2018 an entlang der deutsch-polnischen Grenze präsentiert.

Themen

1. Einführung
2. Leben am Rande der Gesellschaft
3. Die Synagoge von Oels
4. Der jüdische Buchdruck
5. Ein jüdischer Gutsherr baut eine Kirche
6. Grenzland
7. Breslau – Zentrum des modernen Judentums
8. Nach Stettin, nach Berlin, nach New York!
9. An der Oder geboren
10. Das Internierungslager für Ausländer in Stargard
11. »Polenaktion«
12. Die Synagoge brennt!
13. Von Stettin nach Lublin
14. Autobahn in Zwangsarbeit
15. »Kein Recht, nirgends!«
16. Zeitweilige Heimat
17. Erinnerung
18. Heute
19. Spuren
20. Impressum

Technische Daten

Umfang: 20 Tafeln á 1 m (Breite) x 2 m (Höhe), einseitig bedruckt, freistehend
Material: 10 mm-PVC Hartschaumplatten (Forex)
Gewicht pro Tafel: ca. 8 kg, Gewicht insgesamt: ca. 200 kg
Aufbau: circa 2–3 Stunden

Die Ausstellung kann kostenlos ausgeliehen werden. Der Transport ist in Eigenleistung zu organisieren. Der Mindestausstellungsdauer beträgt 8 Wochen. Die Ausstellungstermine koordiniert das Deutsche Kulturforum östliches Europa.

Ansprechpartner

Deutsches Kulturforum östliches Europa
Dr. Magdalena Gebala
Berliner Str. 135
14467 Potsdam
T +49 (0)331 200 98-18
gebala@kulturforum.info

Kooperationspartner:

Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas (Berlin)
Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien e.V. (Potsdam)
Zentrum für Historische Forschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften (Berlin)
Uniwersytet Wrocławski (Breslau/Wrocław)
Fundacja Bente Kahan (Breslau/Wrocław)
Muzeum Ziemi Międzyrzeckiej im. Alfa Kowalskiego (Meseritz/Międzyrzecz)
Stowarzyszenie Historyczno-Kulturalne „Terra Incognita” (Königsberg i.d. Neumark/Chojna)