//Projekte // Europäische Glasmalerei – Denkmal- oder Kulturgutschutz?

Europäische Glasmalerei – Denkmal- oder Kulturgutschutz?

Europa: Erinnerung und Aufbruch Europaeische Akademie fuer Glasmalerei

Tagung zum Kulturgutschutz in Politik und Gesellschaft von der EU bis in die Region am Beispiel der Glasmalerei

Kaum ein Element unseres kulturellen Erbes begegnet uns derartig häufig wie die Glasmalerei; in nahezu allen Lebensbereichen finden sich diese gläsernen Monumentalwerke: vom Privathaus über Kindergarten, Schule, Krankenhaus und Altersheim bis hin zu repräsentativen kommunalen Gebäuden, etwa Rathäusern, und Bauten von Industrie und Handwerk, und natürlich Sakralgebäuden.

Seit dem Mittelalter fasziniert Glasmalerei die Menschen mit ihren im Sonnenlicht funkelnden Gläsern, der raumbeherrschenden Lichtstimmung, den Bildprogrammen und dekorativen Lichtspielen. Und bereits seit dem Mittelalter ist Glasmalerei eine vom Bürger gespendete Kunst, im Entstehungsprozess oft heftig diskutiert zwischen Auftraggeber, Künstler, Architekt, Finanzier und etlichen anderen, also eine durchaus demokratische Kunst.

Sie ist faszinierend und doch in höchstem Maße gefährdet, denn sie verschönert unsere Umwelt, Räume des Alltags, und wird im gewohnten Anblick nicht immer als etwas Besonderes wahrgenommen. Indem sie von ihrem Träger, der Architektur, abhängig ist, unterliegt sie geänderten Moden, Umbauten und Erneuerungen. Nicht nur Kriegseinwirkungen, auch Verwaltungsvorschriften wie Wärmeschutzverordnungen oder Brandvorschriften haben den Bestand der Glasmalereien bereits kräftig dezimiert. Unwissenheit und Fehlurteile der Entscheidungsträger aufgrund schlechter Ausbildung taten ihr übriges hinzu. So wurden bereits ältere Bestände geradezu ausgerottet. Die in manchen Gebieten wie im Ruhrgebiet vorhandenen Glasmalereien stammen zu 92% aus der Zeit nach 1945, und auch dieser junge Bestand ist im Zuge z.B. von Kirchenprofanierungen und –abrissen höchst gefährdet. Beispiele der jüngsten Zerstörungen sind zahlreich. Allein in den letzen Jahren wurden in NRW rund 100 Kirchengebäude samt ihren Kunstverglasungen vernichtet.

Glasmalereien fallen mangels Beurteilungskriterien nicht unter den Denkmalschutz, doch wie steht es um den Kulturgutschutz? Wie ist die Rechtslage? Reichen die Gesetze aus oder muss nachgebessert werden? Wo greift Kulturgutschutz, wo Denkmalschutz? Denn so wie der Glasmalerei geht es vielen Kulturgütern, man denke nur an Künstlernachlässe, Museumsbestände, u.a.m.

Die europäische Akademie für Glasmalerei bemüht sich um das Bewusstmachen der Werte und Bedeutung der Glasmalerei, um eine neue Beurteilung mit einer Einbettung in den gesamtgeschichtlichen Zusammenhang, um das Erlebbarmachen des kulturellen Erbes, um seinen Erhalt. Denn an den Werken der Glasmalerei lässt sich die europäische Geschichte ablesen; sie sind Beispiele der Wurzeln unserer europäischen Kultur.

In einer Tagung zum Kulturgutschutz sind Experten aus Wissenschaft, Verwaltung, Politik und Kirche von der EU bis in die Region versammelt, um am Beispiel der Glasmalerei die Bedeutung des Kulturguts aufzuzeigen, Möglichkeiten des Kulturgutschutzes zu diskutieren und Wege für den Erhalt zu finden, damit politische Initiativen eingeleitet werden können.

Veranstaltungen