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Marzahn-Hellersdorf Blick verschieben / Bilder hinzufügen / Kunst teilen

Die europäische Stadt Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf, Amt für Weiterbildung und Kultur

Mit Künstler*innen der Jugendkunstschule Marzahn-Hellersdorf verschieben Kinder und Jugendliche den Blick auf den Bezirk Marzahn-Hellersdorf, stellen neue Bilder hinzu und teilen ihre künstlerischen Forschungsergebnisse im Projektraum des Schloss Biesdorf.

Architektonisch wie sozialkulturell ist der im Osten Berlins gelegene Bezirk Marzahn-Hellersdorf ein Stadtteil der Kontraste setzt und vereint, Zugehörigkeiten hinterfragt und Unterschiede offen betont.

Die fünf ehemaligen Dörfer aus denen der Bezirk hervorgegangen ist: Hellersdorf und Marzahn, Biesdorf, Mahlsdorf und Kaulsdorf, blicken auf eine jahrhundertealte Geschichte zurück. Schon germanische und slawische Stämme siedelten seit Mitte des 13. Jahrhunderts in der Nähe der Wuhle, rodeten Wälder und betrieben Landwirtschaft. Heute findet sich im Großbezirk Marzahn-Hellersdorf Deutschlands größtes zusammenhängendes Kleinsiedlungsgebiet mit Ein- und Zweifamilienhäusern in den Bezirksregionen Biesdorf, Mahlsdorf und Kaulsdorf. In unmittelbarer Nähe zur Kleinsiedlung ragen Sechs- und Elfgeschosser hervor und prägen das Stadtbild der Kontraste. Das Großwohnsiedlungsgebiet in Hellersdorf und Marzahn, verfügt über rund 100.000 Wohnungen in denen auf einem Drittel der Bezirksfläche, zwei Drittel der Bewohner*innen leben.

Der Grundstein für ihre Entstehung wurde 1933 mit der Charta von Athen auf dem Internationalen Kongress für neues Bauen (CIAM) gelegt. Das Ideal der aufgelockerten und nach unterschiedlichen Funktionen (Wohnen: z.B. Großwohnsiedlung; Büros; Einkaufen) gegliederten Stadt wurde in der Folge europaweit zur avantgardistischen Praxis des „modernen“ Städtebaus. Nach dem zweiten Weltkrieg, in Zeiten der Wohnungsnot und des Wideraufbaus, wurde die Versorgung der Bevölkerung mit einer modernen Wohnung zu einem der zentralen gesellschaftlichen und politischen Ziele der DDR-Regierung. Als es durch die technische Weiterentwicklung in den 70er Jahren möglich wurde preiswert durch Plattenbauweise moderne Sechs- und Elfgeschosser zu errichten, fand das sozialistische Ideal der sozialen Gleichheit seine Umsetzung in Planung und Bau von Großwohnsiedlungen. So wurden ab 1977 und bis in die 90er Jahre hinein, dort, wo sich bis dato nur Wiesen und Sand fanden, die Großwohnsiedlungen in Marzahn und Hellersdorf errichtet. Zu DDR-Zeiten waren diese modernen Wohnungen sehr begehrt. Ende der 90er Jahre aber kam es zu Imageproblemen. Viele Menschen zogen fort, sodass es zu hohen Leerstandszahlen und einer Reihe von sozialen Problemen kam, die das öffentliche Bild des Bezirks prägen. In der Folge wurde ab 2002 die Auflockerung von Siedlungsflächen mit Hilfe des Städtebauförderprogramms des Bundes und der Länder „Stadtumbau Ost“ umgesetzt und teilweise Siedlungsgebiet rückgebaut.

Mit der Aufwertung der Innenstädte und der Mietpreissteigerung in zentraler Lage Berlins, steigen seit 2010 die Bevölkerungszahlen in Marzahn-Hellersdorf wieder an und schaffen ein bunten Mix der Bewohner*innen mit unterschiedlichsten Motivationen im Bezirk Marzahn-Hellersdorf zu leben und sich ihm zugehörig zu fühlen.
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Die Orte, an denen wir uns befinden, sind ständigen Wandlungen unterworfen. Sie werden durch die Lage, politische Interessen, die Architektur und vor allem durch die Menschen und deren Geschichten geprägt. Die dadurch entstehenden Erzählungen sind vielfältig, gewunden und mitunter widersprüchlich. In ihnen verweben sich sehr persönliche Erfahrungen und Narrationen des öffentlichen Diskurses zu einem bildreichen Teppich des Tatsächlichen und der Zuschreibungen über einen Ort. Der Bezirk Marzahn-Hellersdorf in der europäischen Metropole Berlin ist in besonderem Maße Teil solcher Geschichten und vielfältiger Zuschreibungen, die die Vielfältigkeit des Bezirks selten abbilden können.

In den Workshops der Jugendkunstschule Marzahn-Hellersdorf werden Kinder und Jugendliche ausgehend vom Standort Schloss Biesdorf sich auf einen Weg begeben und diesen Geschichten und Zuschreibungen nachspüren und sie hinterfragen.

Was zeichnet den Bezirk aus?
Wie ist der Bezirk Marzahn-Hellersdorf wirklich?
Welche Zuschreibungen und Bilder existieren in den Köpfen?
Wie sehen Jugendliche den Bezirk?
Wie sehen Menschen anderer Generationen und mit unterschiedlichen Hintergründen den Bezirk?
Welche Orte gilt es zu entdecken?
Und welche Zukunftsvisionen möchten Kinder- und Jugendliche des Bezirks gemeinsam entwerfen?

Die Gruppe nutzt gemeinsam mit Künstler*innen die künstlerische Forschung als Methode einen multisinnlichen Zugang zur Welt zu erlangen. Alle bedienen sich dabei unterschiedlicher Verfahren, Medien und Strategien. So werden die Workshops innerhalb des Projektes über kulturelle und finanzielle Hintergründe, Sprachhürden, Generationen etc. hinweg zu Begegnungsräumen im Bezirk. Grenzen werden erspürt. F

orschungsergebnisse, die in den Workshops entstehen, werden am 29. Juni 2018, 12 Uhr bis 13 Uhr Projektraum des Schloss Biesdorf ausgestellt und zur Diskussion gestellt. Dabei können gleichermaßen Filme, Zeichnungen, Fotografien oder künstlerische und dokumentarische Publikationen etc. entstehen, die den Forschungsprozess der Kinder und Jugendlichen visualisieren.

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