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Mit Lindley durch Hamburg: Englisches Know-How in der Hansestadt digital erleben

Die europäische Stadt Denkmalschutzamt Hamburg

Schon seit dem Mittelalter hatte Hamburg enge Beziehungen mit den britischen Inseln unterhalten. Die sprichwörtliche Anglophilie der Hamburger gründete sich also auch auf wirtschaftliche Verbindungen. In Hamburg drückte sie sich ab 1800 in einer kompletten, durch und durch „britannisirten“ Lebenseinstellung der gehobenen Schichten aus: „[M]an spricht englisch, man ist englisch gekleidet, man gähnt und flucht englisch…“. So scheint es nur konsequent, dass England auch in technischer Hinsicht für Hamburg und andere norddeutsche Städte das große Vorbild war. Englische Ingenieure wurden für grundlegende Planungs- und Infrastrukturaufgaben der werdenden Großstadt Hamburg engagiert.

Die für Hamburg prägendste Figur dieser Zeit war der Londoner Ingenieur William Lindley (1808-1900). Er hatte Hamburg mit 16 Jahren erstmals besucht, sprach Deutsch und war zunächst 1831 von einem Lübecker Kaufmann mit der Planung der Eisenbahnverbindung Lübeck – Hamburg beauftragt worden. Nachdem sich der Bau dieser Linie aufgrund von dänischem Widerstand verzögerte, engagierte die Hamburger Führungsschicht Lindley ab 1838 für Planung und Bau der Eisenbahnlinie Hamburgs. Die geplante Eröffnung der Bahnlinie im Mai 1842 musste wegen des Großen Brandes verschoben werden, der weite Teile der damaligen Altstadt zerstörte. Diese Tragödie führte letztlich dazu, dass Lindley und seine Kollegen noch weitaus umfänglicher in die Stadtplanung involviert wurden.

Im Europäischen Kulturerbejahr 2018 entwickelt das Denkmalschutzamt Hamburg mit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften und weiteren Partnern zu diesem Thema eine Augmented-Reality-App. Lindley wird als digitaler Character mit dem App-Nutzer interagieren und seine Leistungen spielerisch vermitteln. Über die Kamera des Smartphones wird er sich direkt im Straßenraum an den App-User wenden. Zudem werden einige seiner Bauwerke digital nachgebaut. Der Nutzer kann diese virtuell besuchen, im Detail anschauen und spielerisch deren Geschichte und Funktion erfahren. Geplant sind drei bis fünf Stationen bzw. Minigames, die der Nutzer besuchen, aber auch zu Hause spielen kann. Der Spieler kann sich sowohl vom virtuellen Lindley etwas über den jeweiligen Ort erzählen lassen als auch selbst mit einigen Dingen bzw. Gerätschaften interagieren.

Der Release der Lindley-App ist zum Auftakt des Tages des offenen Denkmals am 7. September geplant. Im Hamburg wird der Tag des offenen Denkmals traditionsgemäß mit einem Fachkolloquium am Freitagnachmittag vor dem Denkmalwochenende eröffnet. Der 7. September 2018 ist zugleich der 210. Geburtstag von William Lindley. Der digitale Lindley-Character wird hier auf dem Eröffnungskolloquium eine Live-Auftritt bekommen. Die App und die Technik, die dahinter steht wird vorgestellt. Der App Release erfolgt im Beisein der Nachfahren der Lindley-Familie aus Deutschland, England und Polen.

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