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Publikumsausstellung „Das Zeitalter der Kohle. Eine europäische Geschichte“

Europa: Erinnerung und Aufbruch Ruhr Museum und Deutsches Bergbau-Museum Bochum

Ende 2018 wird die letzte Steinkohlenzeche in Deutschland ihre Förderung einstellen. In den anderen europäischen Ländern ist dies bereits geschehen, eine nennenswerte Förderung findet nur noch in Polen, Russland und der Ukraine statt. Damit zeichnet sich ein Ende des Zeitalters der Kohle ab, die in ganz Europa Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt entscheidend beeinflusste.

Das Essener Ruhr Museum und das Deutsche Bergbau-Museum Bochum, Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen, nehmen das Ende der Kohleförderung zum Anlass für eine große Publikumsausstellung auf dem Welterbe Zollverein. Beide Ausstellungshäuser, die über große Sammlungen zur Bergbaugeschichte verfügen, präsentieren in den beeindruckenden Räumen der Mischanlage der Kokerei Zollverein die vielschichtige und faszinierende Geschichte der Kohleförderung und ihrer Folgen in Europa. Dabei könnte der Ausstellungsort symbolträchtiger kaum sein. Die Mischanlage mit ihren drei großen imposanten Ebenen, den hohen Hallen und rohen Betonwänden ist der wohl spektakulärste Ausstellungsort auf Zollverein. Bis zur Stilllegung der Kokerei 1993 diente sie dazu, die für den Kokereiprozess bestimmten Kohlen zu sortieren. Danach wurde sie zum Ausstellungsgebäude umgebaut und mit der Ausstellung "Sonne, Mond und Sterne" 2000 eröffnet. Nach weiteren Aufsehen erregenden Ausstellungen wie "1914 – Mitten in Europa" wird der ehemalige Kohlespeicher nun zum Ort der großen Ausstellung über das Zeitalter der Kohle.

Die Ausstellung läuft vom 27. April bis zum 11. November 2018 und wird geleitet vom Freiburger Historiker Prof. Dr. Dr. Franz-Josef Brüggemeier, dem Leiter des Montanhistorischen Dokumentationszentrums des Bergbau-Museums, Dr. Michael Farrenkopf, und dem Direktor des Ruhr Museums, Prof. Heinrich Theodor Grütter. Die Ausstellung wird großzügig gefördert von der RAG-Stiftung im Rahmen ihres Programmes "Glückauf Zukunft", in dem sich auch die bergbaunahen Kultureinrichtungen wie die Deutsche Arbeitsschutzausstellung, das Deutsche Bergbau-Museum Bochum, das Fritz Hüser Institut, das LWL- und das LVR-Industriemuseum, das Ruhr Museum, die Stiftungen Geschichte des Ruhrgebietes und die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur zu einem Projektverbund zusammengeschlossen haben.

Die Ausstellung auf Zollverein behandelt den Zeitraum von ca. 1750 bis heute. Ausgangspunkt ist die Kohle selbst, ihre Stofflichkeit, die gespeicherte Sonnenenergie, die nicht nur das befeuerte Industriezeitalter, sondern in Form der Kohlechemie zunächst die Nachahmung und dann die künstliche Neuerschaffung der Welt möglich machte. Sie wurde in Europa im Steinkohlenbergbau gefördert, der eine ganz spezifische Form der Arbeit und damit verbunden der technischen, organisatorischen und ökonomischen Entwicklungen mit sich brachte. In engem Zusammenhang damit stehen die Fragen des Verhältnisses von Kohle, Bergbau und der Entwicklung der demokratischen Industriegesellschaft, deren Arbeitsbedingungen die Mitbestimmung in den Betrieben, die Teilhabe am gesellschaftlichen Fortschritt und schließlich die Entwicklung des europäischen Einigungsprozesses, angestoßen durch die Kohle und die Montanindustrie. Und schließlich gilt es auch das Erbe des Bergbaus und der Nutzung von Kohle zu betrachten, die Naturzerstörung durch frei werdendes CO2, die Veränderung der Landschaft aber auch die gesellschaftlichen Folgen des Strukturwandels.

Die Ausstellung wird begleitet von einem umfangreichen Kultur- und Veranstaltungsprogramm, bestehend aus einer hochkarätigen Vortragsreihe zum Steinkohlenbergbau in europäischer Perspektive, angefangen beim frühen englischen und belgischen Bergbau bis hin zum aktuellen Bergbau in Polen und der Ukraine und einer umfangreichen Filmreihe zum Bergbau im europäischen Film.
Hinzu kommt ein breites Exkursionsprogramm zu den Originalstätten des Bergbaus nicht nur im Ruhrgebiet, sondern in den benachbarten Revieren in der Bundesrepublik und in Europa, im Aachener Revier und im Saarland und zu den bergbaulichen Welterbestätten in Elsass-Lothringen, im Hennegau und in Nord pas de Calais.

Die Ausstellung zeigt ca. 1.200 teilweise spektakuläre Objekte von über 100 europäischen Leihgebern, darunter auch der Originalvertrag der Gründung der sog. Montanunion, der ''Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft Kohle und Stahl", eine der Wurzeln der späteren Europäischen Union aus dem Nationalarchiv Luxemburg.