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Reise und Ferne – Theodor Francksens Italienreisen

Europa: Austausch und Bewegung Stadtmuseum Oldenburg

Im Nordwesten Deutschlands liegend ist Oldenburg mit seiner Nähe zur Nordseeküste seit Jahrzehnten ein beliebtes Reiseziel. Doch noch vor gut hundert Jahren waren es die Oldenburger selbst, die auf Reisen gingen und in die Ferne strebten. So auch der aus einer Kaufmannsfamilie stammende Theodor Francksen (1875-1914), der zeit seines Lebens eine bedeutende Sammlung zusammentrug und Stifter des Stadtmuseums Oldenburg ist.

Das Stadtmuseum Oldenburg widmet sich zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 dem Thema „Reise und Ferne“. Über die Figur des Museumsgründers Francksen können Besucher/innen das europäische Kulturerbe des Museums entdecken und erleben. Der Fokus liegt auf dem kulturellen Austausch zwischen dem nord- und südalpinen Europa. Dabei geht es um jenes kulturelle Erbe, das im Kontext der „Grand Tour“ steht, also der seit der Renaissance üblichen Bildungsreisen durch Mittel- und Südeuropa.

Theodor Francksen reiste in den Jahren 1902 bis 1906 regelmäßig nach Italien. Die Reisen in den klimatisch angenehmen Süden dienten nicht nur zur Stärkung seiner geschwächten Gesundheit, sondern auch der intensiven Beschäftigung mit der reichen Kunst- und Kulturlandschaft. Seine Eindrücke, die er auf den häufig mehrmonatigen Reisen gewann, hielt er sorgfältig in Reisetagebüchern fest. Im Mittelpunkt des Projekts steht das vierte der insgesamt fünf Reisetagebücher, das Francksen 1905 auf seiner Reise nach Italien und Frankreich anlegte. Am Samstag, 12. Mai 2018, haben Besucher/innen die Möglichkeit, dieses Tagebuch gemeinsam zu erkunden. Wohin reiste Theodor Francksen? Wen hat er getroffen? Was hat er gesehen? Daneben wird ein Vortrag zum Thema Italienreisen im 19. und frühen 20. Jahrhundert gehalten und es werden Lesungen aus den Reisetagebüchern sowie Führungen zu Gemälden, die Francksen mit Italien verband, angeboten.

Im Fokus des Projekts stehen Gemälde italienischer Landschaften, die Oldenburger Maler wie Ernst Willers (1803-1880) und Ludwig Philipp Strack (1761-1836) nach ihren Reisen durch Italien und beeinflusst von der dortigen Landschaft und Kunst angefertigt haben. Der Kunstliebhaber Theodor Francksen erwarb zu Lebzeiten einige der Gemälde, weitere kamen im Sinne von Francksens Italienbegeisterung später zur Sammlung hinzu. Er selbst gab aber sogar nach einer seiner Reisen beim Oldenburger Maler Ludwig Fischbeck (1866-1954) ein großes Landschaftsgemälde mit Blick auf den Golf von Neapel in Auftrag, das er in seinem Arbeitszimmer einer Darstellung des Familienhofes gegenüberstellte und damit nicht nur den kulturellen Austausch des nord- und südalpinen Europas visualisierte, sondern auch den Gedanken der Gleichwertigkeit der heimischen und der mediterranen Kultur aufgriff. Auf diese Weise trug er eine bedeutende Sammlung zusammen, mit der er maßgeblich und nachhaltig das kulturelle Erbe der Stadt geprägt hat. Besucher/innen haben über die Online-Ausstellung „Reise und Ferne“ des Stadtmuseums Oldenburg die Möglichkeit, Näheres über die Gemälde sowie Francksens Italiensehnsucht und seine Sammelleidenschaft zu erfahren.