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Roms vergessener Feldzug – Funde, Fakten, Mythen

Europa: Erinnern und Aufbruch Landkreis Northeim

Wir feiern Jubiläum! 2018 blickt das Projekt „Römerschlacht am Harzhorn“ auf 10 ereignisreiche Jahre wissenschaftlicher Forschung, Ausgrabungen und Ausstellungen zurück. Ergänzt wird diese Zeit durch die touristische Erschließung mit einem Informationsgebäude, dem Aufbau eines archäologischen Erlebnispfades sowie Besucherführungen und Events.

Im Kulturerbejahr 2018 bieten wir unter dem Motto „Funde, Fakten, Mythen – 10 Jahre Entdeckung Römerschlacht am Harzhorn“, ein Rahmenprogramm mit Sonderveranstaltungen an. Vorträge zum aktuellen Forschungsstand, Sonder- und Familienführungen vor Ort und eine Radtour durch 3 Millionen Jahre Geschichte gehören ebenso dazu, wie eine römische Weinprobe oder ein lukullischer Genussabend.

Ziel des Projektes ist es, durch neue Impulse und kreative Ideen Wissen zu fördern und Interesse für Neues, Geschichte und Kultur zu wecken. Die Veranstaltungen stehen unter der Schirmherrschaft des Niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil.

Funde
Schon die ersten Funde erwiesen sich als spektakulär, denn zu diesem Zeitpunkt waren römische Funde aus dem 3. Jh. in Niedersachsen kaum bekannt. Heute zählt das Harzhorn mit mehreren tausend Funden zu den am besten erhaltenen Schlachtfeldern der Antike und zu den bedeutendsten archäologischen Neuentdeckungen unserer Zeit.

Fakten
Im Jahr 235 n. Chr. führte Kaiser Maximinus Thrax einen Rachefeldzug tief in germanisches Gebiet. Als germanische Verbände am Harzhorn den Tross der römischen Armee auf dem Rückmarsch überfielen, begann eine Schlacht, deren Überreste im Jahr 2008 entdeckt wurden. Intensive archäologische Untersuchungen durch das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege und die Kreisarchäologie Northeim, ergänzt durch Grabungen der Freien Universität Berlin, haben das Schlachtfeld in einzigartiger Anschaulichkeit erschlossen. Der Wissenschaft steht hier erstmals ein in sich geschlossener Fundkomplex zur Verfügung, der die im Feld eingesetzte Ausrüstung römischer Truppen in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts widerspiegelt. Anhand der Dokumentation der genauen Lage und Ausrichtung von Projektilen wie Geschossbolzen, Pfeil- und Speerspitzen sowie Wagen- und Ausrüstungsteilen ist es möglich, einzelne Gefechtshandlungen nachzuvollziehen.

Mythen
In den antiken Schriftquellen sucht man vergeblich nach einer Nennung des Harzhorn-Ereignisses, einzig die „große Schlacht im Moor“ aus der Maximinus Thrax erfolgreich hervorgegangen ist, findet Erwähnung. Antike Berichte über militärische Operationen der römischen Armee jenseits des Limes im 3. Jahrhundert gewinnen damit eine neue Gewichtung.

In Hinblick auf die internationale Bedeutung dieses spektakulären Fundplatzes werden ausgewählte Funde in der Ausstellung „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“ im Martin-Gropius-Bau zu sehen sein.

Das Projekt „Römerschlacht am Harzhorn“ wird im Rahmen Modellvorhaben der kulturell-künstlerischen Vermittlungsarbeit für die Periode 2017 von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) gefördert.

Durch die interdisziplinär angelegte Forschung hat sich das Harzhorn zu einem niedersächsischen Wissenschaftsstandort von hoher Qualität entwickelt. Die Bewilligung des Forschungsantrages „Archäologische und geoarchäologische Untersuchungen am germanisch-römischen Schlachtfeld Harzhorn“ durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft für die Jahre 2017-2020 unterstreicht die bundesweite Wertigkeit der Fundstelle.

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