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Schloss Bodelschwingh in Dortmund – Lebendiger Ort europäischer Adelskultur

Europa: Gelebtes Erbe Schloss Bodelschwingh

Das Kleinod Schloss Bodelschwingh bildet in Dortmund und im Ruhrgebiet einen herausragenden Erinnerungsort, der das oftmals auf die Zeit der Industrialisierung eingeschränkte Bild der Region um eine zentrale Dimension bereichert: Das Ruhrgebiet war auch eine Region blühender Adelskultur mit eindrucksvollen Schloss- und Kirchenbauten, einzigartigen Gemäldesammlungen sowie hochwertigen handwerklichen und kunsthandwerklichen Ausstattungsstücken. In Bodelschwingh ist dies nicht allein Vergangenheit, sondern zugleich auch Gegenwart.

Das Baudenkmal Wasserschloss Bodelschwingh ist in bemerkenswert vollständiger Weise erhalten: Um die eigentliche Wasserschlossanlage mit ihren historischen Schichtungen und zahlreichen historisch gewachsenen Raumausstattungen sind die paradigmatischen Elemente eines Adelssitzes trotz eines schwerwiegenden Eingriffes des Autobahnbaus durch den Park im Wesentlichen erhalten und nachvollziehbar. Mit dem Vorhof, der Vorburg, dem Landschaftspark von europäischer Gartenbaubedeutung, der einzigartigen Familiengrablege im Schlosspark, der Schlosskirche und dem sich darum ansiedelnden Dorf, den Wege- und Wasserlaufverbindungen ins Umland ist ein spätmittelalterlich-frühneuzeitlicher Kulturzusammenhang in überraschender Komplexität erhalten und ablesbar. Besondere historische Bedeutung hat Haus Bodelschwingh aus verschiedenen Gründen entfaltet; hervorzuheben ist die Bedeutung als überregionaler Gerichtsort im europäischen Geflecht adliger Gerichtsbarkeit.

Zugleich mit seiner Rolle als Denkmal bildet Schloss Bodelschwingh einen herausragenden europäischen Erinnerungsort im Ruhrgebiet. Dieser ist maßgeblich durch die Tatsache bestimmt, dass Schloss Bodelschwingh sich seit mehr als 700 Jahren in Familienbesitz befindet und die europäische Adelskultur hier exemplarisch in einer 30 Generationen übergreifenden Kontinuität fortbesteht – mithin eine alteuropäische Traditionslinie, wie sie selten in dieser Form überhaupt noch greifbar wird, bis heute fortgeschrieben ist. Es ist diese gelebte und fortlebende Tradition, die entscheidend die spezifische Überlieferung und Atmosphäre von Schloss Bodelschwingh ausmacht. Nur so lange Haus Bodelschwingh nicht nur in Familienbesitz verbleibt, sondern auch von der Familie weiter bewohnt wird, ist es lebendiges Zeugnis der europäischen Adelskultur. Ein Erhalt ausschließlich des Baudenkmals würde diesen Erinnerungsort seiner entscheidenden Besonderheit – einer entscheidenden Facette seines kulturhistorischen Wertes – berauben.

Im heute weit fortgeschrittenen Strukturwandel der Ruhrgebiets kann Schloss Bodelschwingh eine tragende Rolle für einen Imagewandel des Dortmunder Nordens wie des Ruhrgebiets übernehmen und zu einer standortförderlichen Wahrnehmung der Region als wertvoller historischer Kulturlandschaft beitragen. Deshalb besteht größtes öffentliches Interesse an einer Erhaltung von Schloss Bodelschwingh als Wohnsitz der Familie zu Knyphausen und an der Erhaltung und Instandsetzung der baulichen Anlagen und der umgebenden Gärten.