// Projekte // Sharing Heritage – Die Teilhabe am kulturellen Erbe als Bürger- und Menschenrecht

Sharing Heritage – Die Teilhabe am kulturellen Erbe als Bürger- und Menschenrecht

Europa: Gelebtes Erbe Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte e.V.

Die 2005 vom Europarat verabschiedete "Rahmenkonvention über den Wert des Kulturerbes für die Gesellschaft" (Faro-Konvention), der Deutschland noch nicht beigetreten ist, betrachtet die Teilhabe am kulturellen Erbe als Bürgerrecht. Karima Bennoune, die von den Vereinten Nationen zur Spezialbeauftragten für Kulturrecht berufene Juristin, geht in ihren Berichten noch weiter: Wo kulturelles Erbe angegriffen und zerstört wird, werden auch die Menschen und die grundlegenden Menschenrechte angegriffen. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag hat jüngst erste Urteile gefällt gegen Täter, die in bewaffneten Konflikten aus ideologischen Gründen Kulturgut zerstört haben. Papst Franziskus hebt in seiner Enzyklika Laudato Si' den Schutz von Kultur und kulturellem Erbe hervor und gewichtet ihn gegenüber wirtschaftlichen Begehrlichkeiten als hohe Güter: "Das Verschwinden einer Kultur kann genauso schwerwiegend sein wie das Verschwinden einer Tier- oder Pflanzenart, oder sogar noch gravierender", schreibt er. In unserer Tagung wollen wir diskutieren, wie sich ein globales Verständnis von Kulturgut als Bestandteil von Bürger- und Menschenrechten bzw. als Teil der Schöpfung auf die Archäologie und den Denkmalschutz in Europa auswirken würde.

In den zurückliegenden Jahren erfährt das kulturelle Erbe eine stärkere Bedeutungszumessung, die im Falle ihrer breiten Akzeptanz die gesellschaftliche und auch rechtliche Bedeutung von Archäologie und Denkmalschutz nochmals wesentlich verändern könnten. Wir möchten dies im Rahmen unserer Jahrestagung analysieren und debattieren, um frühzeitig auf anstehende Veränderungen und Herausforderungen eingestellt zu sein.

Im ersten europäischen Kulturerbejahr 2018 mit dem besonderen Motto "Sharing Heritage" möchte die Jahrestagung der DGUF den Blick dafür schärfen, dass hier nicht ein breiter Konsens und eine umfassende Einigkeit besteht, vielmehr ein Ringen um das Setzen von Prioritäten und rechtlichen Rahmenbedingungen für den Kulturgutschutz notwendig ist und dass der Gedanke einer Teilhabe Aller an kulturellem Erbe ebenso nachvollziehbar wie konfliktbehaftet ist. Ein breiteres Nachdenken, ein Vertiefen des Problembewusstseins, ein genaueres Stellen von wichtigen Fragen und erste Handlungsansätze wären ein wertvolles Ergebnis dieser Tagung.

Aus DGUF-Sicht soll es bei "Sharing Heritage" nicht allein um das optimale Behüten der Vergangenheit gehen, sondern auch um eine Ausrichtung der Archäologie auf einen Nutzen für Gegenwart und künftige Generationen.

Ähnliche Projekte