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Sonderausstellung Tradition und Leidenschaft. Schneidwarenindustrie in Europa

Europa: Gelebtes Erbe Jochem Putsch

Wohl kaum ein Gewerbe blickt auf eine solch jahrhundertealte Tradition zurück wie die Schneidwarenindustrie - noch dazu in ganz Europa. Einstmals wurden Schneidwaren an vielen Orten hergestellt und spätestens im 18. Jahrhundert bildeten sich Zentren heraus, wie zum Beispiel in Sheffield, Laguiole und in Chambéry, die sich meist bis heute erhalten haben.

Diesen Zentren der Schneidwarenindustrie in Europa widmet sich die Ausstellung „Tradition und Leidenschaft – Schneidwarenindustrie in Europa“, die das LVR-Industriemuseum, ab dem 14. Juni in der Gesenkschmiede Hendrichs in Solingen zeigt.

Nach dem Vorbild von Camille Pagé, der um 1900 die Schneidwarenindustrie der Welt untersucht hat, bietet die Ausstellung mit etwa 700 Exponaten, über 1.500 Abbildungen, präsentiert als große Projektionen oder in kleinen Medienstationen, sowie vielen Filmausschnitten einen Einblick in die Geschichte und Gegenwart der europäischen Zentren der Schneidwarenindustrie. So lernen die Besucherinnen und Besucher beispielsweise das Bergdorf Premana in der Lombardei kennen - ein faszinierender Ort in dem die Hälfte der Einwohner und Einwohnerinnen in der Schneidwarenindustrie arbeitet - oder das im Tal der Durolle gelegene Thiers mit seinen an den Hang oder an den Fluss geschmiegten pittoresken Fabrikbauten. Während die Bedeutung des Gewerbes an einigen Standorten deutlich zurückgegangen ist, zeichnet sie sich an anderen durch eine außerordentliche Vitalität aus. Kreativität, Qualitätsbewusstsein und eine außergewöhnliche Leidenschaft kennzeichnen die in der Branche tätigen Menschen bis heute.

Eine reiche Industriekultur steht dabei neben modernsten Produktionsverfahren. Zugleich spielen noch heute handwerkliche Arbeitsweisen oftmals eine wichtige Rolle. In der Ausstellung werden den Besucherinnen und Besuchern Arbeitstechniken für verschiedenste Produkte gezeigt und erklärt. Diese veränderten sich nicht nur im Laufe der Zeit, sondern waren auch von Ort zu Ort verschieden. Während heute beispielsweise an jedem Standort in Europa die Schleifmaschinen und Schleifautomaten der Firmen Siepmann und Berger aus Solingen und Wuppertal-Kohlfurth zu finden sind, waren die handwerklichen Schleiftechniken einstmals noch sehr unterschiedlich: sitzend vor dem Stein in Solingen, liegend oder sitzend über dem Stein in Thiers, Sheffield und Steinbach.

Die Ausstellung zeigt die Industriekultur als gemeinschaftliches europäisches Erbe am Beispiel der Schneidwarenindustrie. Sie ist ein Beitrag zum Europäischen Kulturerbejahr 2018.

Eine reich illustrierte Begleitpublikation informiert über die jahrhundertealte Geschichte und Tradition aller europäischen Standorte.