// Projekte // SOS Hamburger Nachkriegsmoderne

SOS Hamburger Nachkriegsmoderne

Die europäische Stadt SOS Hamburger Nachkriegsmoderne

Die Cityhof-Hochhäuser, das Commerzbankgebäude am Neß, die Post-Pyramide in der City Nord: In Hamburg verschwinden derzeit viele zentrale Bauten der Nachkriegsmoderne. Dabei sind die Zeiten, in denen diese Architekturen ausschließlich als Bausünde wahrgenommen wurden, lange vorbei. Immer mehr Initiativen formieren sich, die sich für eine andere Wahrnehmung bzw. den Erhalt einzelner Gebäude einsetzen und mit einfallsreichen Aktionen vor allem junge Menschen für Architekturen dieser Bauperiode begeistern. Solche kreativen Protestformen lassen sich im Sinne eines kulturellen Häuserkampfes verstehen und sind in vielen europäischen Städten heute gängige bürgerschaftliche Alltagspraxis. Sie richtet sich auch gegen heutiges Bauen, das oft zu einer Verklärung historischer, europäischer Stadtstrukturen beiträgt und keinen Raum für neuere städtebauliche Zeitschichten erkennen lässt, währenddessen die manifesten Überreste sozialstaatlich regulierter Stadtgesellschaften und Zeugnisse eines gemeinsamen europäischen Wiederaufbaus einfach verschwinden.

Diesem Engagement schließt sich ein Seminar an, das aktuell an der HafenCity Universität und der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg von Film- und Kulturwissenschaft-Studierenden durchgeführt wird. Neben der Beschäftigung mit verschiedenen Architekturen der Nachkriegsmoderne in Hamburg ist das Ziel dieses Seminares die Realisierung eigener kurzer Filme über einzelne Gebäude (ca. 3-5 Min.). Die fertigen Filme sind nicht als reine Architekturfilme zu verstehen, sondern als medienkünstlerische Rauminszenierungen, die einzelne Gebäude insbesondere vor dem Hintergrund der sich verändernden Nutzungs- und Rezeptionsstrukturen erfahrbar machen und für ihren Erhalt begeistern.

In einem weiteren Schritt wird es dann im Sommersemester 2018 ebenso Aufgabe im Seminar sein herauszuarbeiten, welche Öffentlichkeit diese Filme benötigen, um Impulse für eine verbreiterte Diskussion um die Nachkriegsmoderne in Hamburg zu liefern. Dazu sollen eigene Screening-Formate in Anlehnung an Konzepte wie „A wall is a screen“ u.ä. entwickelt und im kulturellen Angebot Hamburgs platziert werden, um die Filme öffentlich zeigen und diskutieren zu können.