// Projekte // Soundscape Synagoge

Soundscape Synagoge

Europa: Gelebtes Erbe Europäisches Zentrum für Jüdische Musik

Das musikalische Erbe jüdischer Gemeinden Europas steht im Fokus der Online-Datenbank „Soundscape Synagoge“, die am Europäischen Zentrum für Jüdische Musik der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover entsteht.

Der traditionell mündlich überlieferte Gesang des jüdischen Gebets, geleitet von einem/einer Vorbeter_in oder Kantor_in, unterliegt immer dem Wandel durch äußere Einflüsse der Umgebungskultur, innerjüdische religiöse Strömungen oder historische Umbrüche – Faktoren, wie sie sich gerade im Europa der Neuzeit ungeheuer verdichten. Die sakrale jüdische Musik wird damit quasi zu einem Spiegel der jüdischen Lebenswelten mit all ihren Spannungen und Verwerfungen zwischen Tradition und Moderne, Orthodoxie und Reform, Religion und Ethnizität.

Die Vernichtung durch den Holocaust, Migrationsbewegungen oder staatliche Unterdrückung von Religion (z. B. in den Ländern des einstigen „Ostblocks“) hat vielen Gemeinden nach 1945 den Rückgriff auf ihr musikalisches Erbe erschwert. „Soundscape Synagoge“ versteht sich als ein Instrument, diesem Erbe nachzuspüren, die lebendige Tradition im Musikleben jüdischer Gemeinden abzubilden und sakrale jüdische Musik im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu verankern.

In der Datenbank sollen Personendaten, Informationen zu Werken und Materialien von und zu jüdischen Kantorinnen und Kantoren der Vergangenheit und Gegenwart sowie Informationen zu den verschiedenen Traditionen jüdisch-liturgischer Musik in Form von Texten, Bildern, Klangaufnahmen und Filmen gespeichert und zugänglich gemacht werden.

„Soundscape Synagoge“ wendet sich an eine breite Zielgruppe. So sind praktizierende Musiker_innen eingeladen, die Klangbeispiele aus dem Speicher wieder zurückzuführen in die lebendige Praxis. Auf diese Art können in Vergessenheit geratene Traditionen wiederbelebt, neue Traditionen begründet oder experimentelle Versuche wie das Crossover traditioneller und populärer Elemente betrieben werden. Wissenschaftler_innen finden in den biographischen Daten reiches Material für Migrations-, Antisemitismus-, Netzwerkforschung oder Ideengeschichte, Studierende der Fachrichtungen Musikwissenschaft, Jüdische Studien oder Neuere Geschichte eine Fülle an Themen für Qualifikationsarbeiten. Darüber hinaus richtet sich die Datenbank auch an interessierte Laien, Jugendliche oder Schulklassen. Im Unterschied zu schwer zugänglichen theoretischen Werken oder historischen Dokumenten bietet die Musik ein vergleichsweise niederschwelliges Angebot, um jüdische Geschichte und Lebenswelten zu entdecken.

Nicht zuletzt sind auch die jüdischen Gemeinden sowie generell eine interessierte Öffentlichkeit in das Projekt eingebunden: Sie werden aufgefordert, materielle oder immaterielle Zeugnisse von synagogaler Musik sowie Informationen oder andere Materialien zu Kantoren und Kantorinnen für die Datenbank zur Verfügung zu stellen. Das Sammeln, Dokumentieren, Informieren und Teilen von Wissen über synagogale Musik in all ihren Erscheinungsformen will einen Dialog zwischen der Forschung zu jüdischer Musik und der jüdischen Musikpraxis ermöglichen, der wiederum die öffentliche Wahrnehmung zum Thema (auch im Sinne der kulturellen Nachhaltigkeit) stärken soll.

Helfen Sie mit! Besitzen Sie materielle oder immaterielle Zeugnisse von jüdisch-liturgischer/synagogaler Musik und/oder zu Kantoren und Kantorinnen, die Sie uns für die Datenbank zur Verfügung stellen möchten? Dazu zählen beispielsweise:
• Nachlässe
• Noten
• Briefe
• Zeitungsartikel
• (historische) Klangaufnahmen
• Fotografien
• Erinnerungen

Ähnliche Projekte