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Spurensuche im Bourtanger Moor

Europa: Grenz- und Begegnungsräume Emsland Moormuseum

Das Emsland Moormuseum stellt die Geschichte der Besiedlung der links- und rechtsemsischen Moore, des vorindustriellen und industriellen Torfabbaus sowie die Geschichte des Moorschutzes Nordwestdeutschlands aus, sammelt, forscht und bildet zu diesen Themenfeldern. Die Veranstaltungen des Museums im Europäischen Kulturerbejahre 2018 verstehen sich als Beitrag, Naturlandschaftsmerkmale und Spuren der Industriekultur im deutsch-niederländischen Grenzgebiet des ehemaligen Bourtanger Moores zu beschreiben, darzustellen oder vor Ort aufzusuchen.

Die Veranstaltungen, Ausstellungen und Wanderungen sollen allen Kultur- und Naturinteressierten als Anregung und Hilfe bei dem Versuch dienen, die heimische Landschaft in ihrem historischen Werden besser zu verstehen. Auch weniger bedeutende Industriedenkmale oder naturräumliche Landschaftsmerkmale können wichtige Räder im ansonsten so „großen Getriebe“ der deutschen, niederländischen und europäischen Landschaftsgeschichte sein.

Ursprüngliches Hochmoor als Naturraum und Lebensraum existiert in Deutschland seit über 90 Jahren nicht mehr. Die vielfältigen und tiefgreifenden Veränderungen, die die Kultivierungen des 19. Jahrhunderts, die Landwirtschaft oder auch der Torfabbau hinterlassen haben, stehen selten im Fokus der Betrachtung, im Gegenteil. In Kunst und Kultur verklärt allzu oft ein historisierender, romantisierender Blick eine Landschaft, die dem Naturraum Moor ferner nicht sein könnte.

Bis in das 20. Jahrhundert hinein galt der Nordwesten, vor allem aber das Emsland, als das Armenhaus Deutschlands. Kaum passierbare Straßen durch kümmerliche Kolonien, Sandverwehungen, Tuberkuloseendemien mit den höchsten Fallzahlen Deutschlands, tausende Quadratkilometer unerschlossenen Ödlandes, die niedrigste Bevölkerungszahl pro Kopf und Fläche, eine desolate Wirtschaftsleistung fast ausschließlich erzeugt durch die Landwirtschaft. Die Notlage der unterbäuerlichen Schichten führte zu einer hohen Zahl von Auswanderungen. Der Staat Preußen verstärkte nach 1866 die Ödlandkultivierung und versuchte die Wirtschaftsleistung zu stärken. Doch erst der Emslandplan, 1952 vom Deutschen Bundestag verabschiedet, bündelte infrastrukturelle Maßnahmen gewaltigen Ausmaßes, finanzierte diese und führte den nordwestdeutschen Grenzraum Deutschlands binnen 30 Jahre an die Lebensstandards und Wirtschaftsleistungen anderer Regionen heran.