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Stein auf Stein. Backsteinbauten in Marzahn-Hellersdorf

Europa: Gelebtes Erbe Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf, Amt für Weiterbildung und Kultur

Backstein zählt zu den ältesten Baustoffen der Menschheit. In Europa hatte die Backsteinbauweise vom Mittelalter bis in die Renaissance in den Städten Hochkonjunktur. Vor allem die großen Kirchenbauten der Gotik beeindrucken bis heute. Berlin verdankt die Wiederentdeckung des Backsteins als Baumaterial Mitte des 19. Jahrhunderts dem genialen Architekten Friedrich Schinkel. Seine Bauten und die seiner Nachfolger prägen die Hauptstadt bis heute.

Auch im heutigen Bezirk Marzahn-Hellersdorf finden sich architektonisch anspruchsvolle ziegelsichtige Bauten, die in einer Sonderausstellung des Bezirksmuseums Marzahn-Hellersdorf vorgestellt werden. Sie knüpfen teils an die Schinkelschule an, so die 1871 eingeweihte Dorfkirche auf dem Marzahner Anger, die auf einem Entwurf von Friedrich August Stüler basiert und das Ensemble der 1893 eröffneten Anstalt Wuhlgarten in Biesdorf, dessen Bauprogramm Hermann Blankenstein ausarbeitete.

Im 20. Jahrhundert wurde diese Tradition fortgesetzt mit Bauten, die in modernen Baustilen wie der Neuen Sachlichkeit ausgeführt sind. Beispiele hierfür sind das Empfangsgebäude des S-Bahnhofes Mahlsdorf, das nach Plänen von Richard Brademann 1929/30 entstand, und die St. Martinskirche von Josef Bachem in Kaulsdorf, die 1930 geweiht wurde. Seit den 1980er-Jahren erfährt der Backsteinbau eine erneute Renaissance. Bei der Rekonstruktion des Dorfes Marzahn in den 1980er-Jahren wurden, anknüpfend an die traditionelle ländliche Bauweise des 19. Jahrhunderts, die Neubauten ziegelsichtig ausgeführt. Das Äußere der 1983 geweihten katholischen Kirche „Maria Königin des Friedens“ in Biesdorf ist mit rotbunten Klinkern gestaltet. Seit den 1990er-Jahren entstanden Neubauten mit verklinkerten Fassaden, darunter das bezirkliche Rathaus in der Hellen Mitte.