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Tag der Städtebauförderung 2018 in Hamburg

Die europäische Stadt Behoerde fuer Stadtentwicklung und Wohnen

"Quartiere der Integrierten Stadtteilentwicklung im Europäischen Kulturerbejahr 2018". Unter diesem Motto werden zum „Tag der Städtebauförderung“ in Hamburg Rundgänge, Aktionen und Vorträge angeboten. Wir laden Sie herzlich ein, Quartiere und Projekte der Integrierten Stadtteilentwicklung kennen zu lernen und zeigen Ihnen Quartiere, die die "Europäische Stadt" als Entwicklungsort der europäischen Gesellschaft herausstellen. Barmbek-Nord und Dulsberg stehen im Mittelpunkt und gehören mit ihrer baukulturellen Bedeutung zum Europäischen Kulturerbe.

Blick auf die Stadtbaugeschichte
In Barmbek-Nord und Dulsberg ist eine sehr stürmische Phase der großstädtischen Entwicklung Hamburgs ablesbar. Bis 1860 bildeten beide Quartiere mit dem heutigen Barmbek-Süd einen ländlichen Vorort. Danach wird Barmbek-Nord Standort für Gewerbe und Industrie – darunter die „New-York Hamburger Gummi-Waaren Compagnie“ und die Maschinenfabrik „Heidenreich und Harbeck“ - und für Arbeiterwohnquartiere. Diese Entwicklung wird durch die Eingemeindung nach Hamburg in 1894 beschleunigt. Neue Verkehrsprojekte waren erforderlich: Der Kanalisierung der Osterbek folgt der Bahnausbau. Der Vorortbahnhof „Barmbeck“ (1906) und der U-Bahnhof (1912) wurden eröffnet.

Der Dulsberg, reiner Wohnstandort, später "Wohnstadt", für die Arbeitskräfte aus der Stadt und dem Umland, wird geprägt vom Stil des Neuen Bauens der 1920er Jahre unter Hamburgs Oberbaudirektor Fritz Schumacher. Statt gründerzeitlicher "Schlitzbauweise" im Blockrand und Hinterhäusern im Blockinnern sah der „Reformierte Bebauungsplan Dulsberg“ vom 3. Juni 1918 Blockrandbebauung mit begrünten Innenhöfen und Zeilenbauten mit breiten Grünanlagen vor. Im öffentlichen Raum wurden größere Platzanlagen und ein zusammenhängender Grünzug vorgesehen. Diese traten an die Stelle zuvor geplanter eingestreuter Schmuckplätze und kleinerer Grünflächen. Backstein wurde das vorherrschende Baumaterial und Kleinwohnungen mit 31 bis 62 Quadratmeter Wohnfläche zu schaffen, die vorherrschende Bauaufgabe.
Bis in die 1960er Jahre erlebten beide Stadtteile den schnellen Wiederaufbau ihrer im Krieg zerstörten Wohnhäuser, nicht immer in der nötigen Qualität. Viele Industriestandorte wurden kurz nach Kriegsende bis in die 1970er Jahre aufgegeben. Fabrikgebäude vollständig abgerissen oder für kulturelle Zwecke umgenutzt.

Heutige Herausforderungen und Konzepte
Das Quartier Fuhlsbüttler Straße ist seit 2005 Sanierungsgebiet und wird im Programm "Aktive Stadt- und Ortsteilzentren" gefördert. Nach dem Bahnhofsumbau und dem Umbau der Fuhlsbüttler Straße ist jetzt die Piazzetta-Ralph-Giordano neu gestaltet. Auch der Umbau und die Umnutzung traditioneller Industriestandorte für soziale und kulturelle Infrastruktur sind hervorzuheben: darunter das heutige Museum der Arbeit, mit dem in 2015 fertiggestellten neuen Platz und dem Kulturzentrum "Zinnschmelze". Bis Ende 2020 ist geplant, das Versorgungszentrum weiter aufzuwerten, die Freizeitangebote und kulturellen Einrichtungen auszubauen sowie die Bereiche nördlich und südlich des Bahnhofs besser zu verknüpfen.

Das Quartier Dulsberg ist seit 2009 im Rahmenprogramm Integrierte Stadtteilentwicklung (RISE) und wird im Programm "Städtebaulicher Denkmalschutz" gefördert. Unter Bewahrung der historischen Gesamtanlage soll sich Dulsberg zu einem nachhaltigen Wohnquartier entwickeln. Rund 600 Wohnungen sind bereits mit öffentlicher Förderung modernisiert und energetisch saniert worden. Bis 2024 sollen weitere folgen. Außerdem werden öffentliche Plätze wie der Straßburger Platz und Grünanlagen neu gestaltet. Die Frohbotschaftskirche von 1936-38 wird umgebaut. Zwei neue Baukörper werden in das bestehende Kirchenschiff eingefügt, die ein Kita und das Gemeindehaus aufnehmen.

Ausblick
Im städtebaulichen Verbund von Historischem und Neuem liegt die Stärke der beiden Quartiere. Das Umfeld der Fuhlsbüttler Straße mit neuen Wohngebäuden, guter Nahversorgung und kulturellem Freizeitangebot im historischen Ambiente zieht junge Leute und Familien an. Auch der Dulsberg ist für junge Leute interessant und bietet bezahlbare Wohnungen. Und er ist anziehend für alle, die sich für den Stil der Neuen Sachlichkeit ebenso interessieren wie für denkmalgeschützte öffentliche Gebäude und Grünanlagen.

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