// Projekte // „Ungewöhnliches Mittelalter – Frauen mit Einfluss und europäischen Kontakten“

„Ungewöhnliches Mittelalter – Frauen mit Einfluss und europäischen Kontakten“

Europa: Gelebtes Erbe Verein für Herforder Geschichte e.V.

Im Jahr des Europäischen Kulturerbes 2018 wird der Herforder Geschichtsverein die europäische Dimension der Gründung Herfords in Erinnerung rufen und dabei vor allem den lange Zeit unterschätzten Einfluss der Frauen in den Blick nehmen.

Der Gründer Herfords war eine weitgereiste, weltoffene Persönlichkeit mit engen Kontakten auf die britischen Inseln. Die Frauen des von ihm gegründeten Stiftes suchten und fanden Inspiration und Unterstützung unter anderem im heutigen Nordfrankreich. Das Stift war Ausgangspunkt für die Einbeziehung Islands in die geistige Welt Europas. Die Äbtissinnen der ältesten geistlichen Stiftung Sachsens, die „frouwen von Herford“, waren europaweit bis ins Baltikum vernetzt und nutzten ihre starke Stellung im Reich und in der Kirche in vielfältiger Weise.

Diese Bedeutung der mittelalterlichen Frauenstifte in der europäischen Geschichte ist in der öffentlichen Wahrnehmung, aber auch in der Forschung lange gering geschätzt worden. Eine Korrektur ist überfällig. In kaum einer Stadt lässt sich das so anschaulich darstellen wie in Herford. Das Jahr des Europäischen Kulturerbes 2018 bietet eine gute Grundlage dafür.

Unser Projekt hat, kurz gefasst, drei Teile:
• Wir werden erstmals die in der Kirche des Frauenstifts, der heutigen Münsterkirche, noch vorhandenen Spuren und Zeichen über zeitgemäße Medien wie einen Audioguide nebst App für Besucher/innen erschließen und dabei ein besonderes Angebot für Kinder entwickeln.
• Wir entsenden junge Herforder/innen als „Kundschafter/innen“ zu europäischen Orten, die im frühen Mittelalter mit Herford verbunden waren. Sie sollen dort „Herforder Bezüge“ aufspüren, darüber berichten, Kontakt mit Gleichaltrigen aufnehmen und über ihre Ergebnisse berichten.
• Auf einem großen „Herforder Stiftstag“ am Tag des Denkmals im September, den wir zu einer festen Einrichtung machen wollen, wird in vielfältiger Weise über die Bedeutung des Herforder Stiftes und der „frouwen von Herford“ berichtet. Unter anderem hoffen wir, dass unsere Kundschafter/innen dazu auch Gleichaltrige aus den Partnerregionen mitbringen werden.

Im Projekt werden Herforder Jugendliche eine wichtige Rolle übernehmen. Sie sollen als Kundschafter/innen ausgebildet und nach Europa entsandt werden, wo sie Herforder Bezüge aufspüren. In Soissons geht es um das Herforder Mutterkloster. In York (Northumbria) gilt es, das Wirken des Stiftsgründers Waltger aufzuspüren, der dort Inspiration durch den Heiligen Oswald und dessen Reliquien fand. In Island lässt sich das Wirken des in Herford ausgebildeten Isleif verfolgen, des ersten Bischofs auf der Insel. Die Jugendlichen sollen über ihre Erfahrungen in Wort und Bild, auch über die Neuen Medien (in Blogs, Videoblogs usw.), berichten, an den Zielorten Kontakt zu Gleichaltrigen aufnehmen, sich mit ihnen austauschen und sie nach Herford zum ersten großen „Stiftstag“ im September 2018 einladen.

Das Projekt wird im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres 2018 von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) gefördert.