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“Urbane Wasserlandschaft Pader” Paderborn – Stadtgründung an 200 Quellen

Die europäische Stadt Stadt Paderborn

In vielen Orten Europas begeben sich Menschen in diesem Jahr auf eine spannende Suche nach Spuren ihres gemeinsamen kulturellen Erbes. Unter dem Leitthema „Die Europäische Stadt" mit dem Schwerpunkt "Stadt und Wasser" beteiligt sich auch die Stadt Paderborn mit einem besonderen Veranstaltungsprogramm am Europäischen Kulturerbejahr 2018.

Mitten in der Paderstadt sprudeln aus 200 Quellen bis zu 9.000 Liter Wasser pro Sekunde! Die ergiebigsten Quellen Deutschlands speisen gleichzeitig den kürzesten Fluss des Landes. Es ist offensichtlich, dass ein solcher Wasserreichtum in der Geschichte einer Stadt eine besondere Rolle spielt. Vom schützenden Sumpf der Quellen in frühesten Zeiten über die Begründung der Wirtschaftskraft eines blühenden Bistums bis hin zum beliebten Naherholungsgebiet der Gegenwart - rund um die "Urbane Wasserlandschaft Pader" reihen sich Geschichtsspuren aus vielen Epochen.

Europäische Geschichte wurde in Paderborn geschrieben, als im Jahr 799 an den Paderquellen, an denen sich kurz zuvor Christen und Heiden noch erbitterte Schlachten geliefert hatten, das denkwürdige Treffen zwischen dem fränkischen König Karl und dem römischen Papst Leo stattfand. Ein Jahr später wurde Karl der Große in Rom mit der römischen Kaiserwürde ausgestattet. Kaiser Karl erweiterte und befestigte ein riesiges Reich, welches als Vorläufer Europas gelten darf.

Durch die Lage an der uralten Verkehrstrasse des Hellweges war Paderborn in ein weit gespanntes Netz von Pfalzorten, Bistumsstädten und Handelsmetropolen in ganz Europa eingebunden.

Im Jahr 836 wurde durch die Überführung der Reliquien des Hl. Liborius aus dem französischen Les Mans nach Paderborn die älteste Städtepartnerschaft Europas begründet, die bis heute besteht.

Oberhalb der Quellen kündet die 1017 erbaute Bartholomäuskapelle als älteste bekannte Hallenkirche nördlich der Alpen vom Technologietransfer des Mittelalters, denn eigens aus Griechenland/Byzanz herbeigeholte Bauleute sollen den Bau mit seinen besonderen Hängekuppeln errichtet haben. Ihr Gründer Bischof Meinwerk pflegte Kontakte in die gesamte christlich-europäische Welt.

Wer will, entdeckt also rund um die Wasserlandschaft der Pader so manche Spuren, die in alle Richtungen Europas weisen. Diese historischen Hinterlassenschaften sind zum einen einzigartig und machen zum anderen auch die Einheit in der Vielfalt bewusst.

Den Auftakt zum Paderborner Kulturerbjahr machen zwei Vorträge zum "Internationalen Tag des Wassers" am 22. März, die sich mit der Paderborner "Wasserkunst" - einem ausgeklügelten Pumpsystem für Wasser aus dem 16. Jahrhundert und mit der historischen Nutzung von Wasser als Energielieferant beschäftigen.

Die unverwechselbare Wasserlandschaft der Paderquellen bietet sich an als ideale Bühne für weitere spannende Veranstaltungen aus Kunst, Literatur, Architektur, Archäologie und Geschichte. Über das Erzählen von alten Wassermärchen im Paderquellgebiet, einen besonderen Aktionstag zum Thema Wasser für Kinder, die Erarbeitung eines Kinderkrimis unter Einbeziehung historischer Kulissen, eine Fotoausstellung zur Kulturlandschaft Pader, eine Führung durch historische Keller am Hellweg oder eine Kunstaktion an den Quellen in deutsch-finnischer Koproduktion - das Programm zum Europäischen Kulturerbejahr 2018 sprudelt aus vielen kreativen Quellen und verspricht jede Menge Anregungen, Spaß und Erkenntnisse für Besucher/innen aller Altersklassen.

Den Abschluss bildet am 14. November ein Vortrag von Prof. Matthias Wemhoff, der in seiner Funktion als Leiter des Paderborner Museums in der Kaiserpfalz die moderne Paderborner Stadtarchäologie maßgeblich aufgebaut hat und heute das Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz leitet, Landesarchäologe des Bundeslandes Berlin ist und ein nimmermüder Botschafter in Sachen historisches Kulturerbe.

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