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Von Bücherschätzen und gelehrten Mönchen

Europa: Gelebtes Erbe Stadtmuseum Kaufbeuren - Staats- und Stadtbibliothek Augsburg - Schwäbisches Bildungszentrum und Bildungswerk Irsee

Das Stadtmuseum Kaufbeuren präsentiert im Rahmen einer Ausstellung zum ersten Mal überhaupt eine Auswahl von kostbaren Handschriften und Drucken aus der Bibliothek des ehemaligen Benediktinerreichsstifts Irsee, ergänzt durch eine Äbtegalerie, liturgische Gewänder und Geräte und andere Objekte aus dem Kloster. Die Bibliothek, die fast zwei Jahrhunderte lang aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit völlig verschwunden war, kann dank eines vorbereitenden Forschungsprojekts jetzt in Kaufbeuren – ganz in der Nähe ihres ursprünglichen Standorts – wieder sichtbar und erlebbar gemacht werden. Ein reich bebilderter Begleitband, der im Quaternio Verlag Luzern erscheint, hält die Ergebnisse über die Dauer der Ausstellung hinaus fest. Alle gezeigten Handschriften und Drucke und noch einige mehr werden von Fachleuten ausführlich beschrieben; in einführenden Beiträgen wird die Bibliothek Kloster Irsee umfassend gewürdigt.

Während das Kloster in den ersten Jahrhunderten nach seiner Gründung 1182 eher regional orientiert war, entwickelte es sich nach dem Neubau von Kirche und Konventsgebäuden Anfang des 18. Jahrhunderts zu einer bedeutenden Stätte der Katholischen Aufklärung mit europaweiten Verbindungen. Dies spiegelt sich auch in der Bibliothek wider, für die nun Werke aus ganz Europa, vorzugsweise Pariser Drucke, beschafft wurden.

Vor 200 Jahren, im Herbst 1818, bereisten zwei Augsburger Bibliothekare u. a. das aufgelöste Kloster Irsee bei Kaufbeuren, das bereits 1802 vom Kurfürstentum (seit 1806: Königreich) Bayern in Besitz genommen worden war. Die beiden Bibliothekare hatten den Auftrag, die für die damalige Vereinigte Königliche Kreis- und Stadtbibliothek Augsburg brauchbaren Bücher auszuwählen. Aus Irsee nahmen sie sieben ihnen besonders wichtig erscheinende Werke sofort mit; erst 1821 und 1833 fanden zwei große Transporte nach Augsburg statt. Die zurückgebliebenen Bücher wurden in Papiermühlen eingestampft oder gelangten trotz Verbots in private Hände. Mit der Eingliederung der nach Augsburg gebrachten Bücher in den dort schon vorhandenen Bestand endete die Geschichte der Irseer Bibliothek. Nach dem Umbau des früheren Bibliothekssaals, dessen Einrichtung als Brennholz verkauft wurde, erinnerte auch in Irsee nichts mehr an die einstige Klosterbibliothek.

Die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg begann ab den 1970er-Jahren mit der systematischen Erschließung der Provenienzen ihrer Handschriften und Inkunabeln (Frühdrucke bis 1500). Daran anknüpfend wurden aktuell in einem Pilotprojekt auch die aus Irsee stammenden Drucke ab Erscheinungsjahr 1501 ermittelt. Somit konnten die in Augsburg vorhandenen Irseer Bücher vollständig erfasst werden und sind seit 2015 mit ihren Metadaten in einem Onlinekatalog recherchierbar. Parallel dazu wurde in einem zweiten Teilprojekt in Kooperation mit dem Schwäbischen Bildungszentrum Irsee, das seit 1981 in den Klostergebäuden untergebracht ist, die Geschichte der Bibliothek und deren Auflösung eingehend erforscht und dokumentiert. Das Resultat, die geglückte Wiedersichtbarmachung einer fast 200 Jahre lang verschwundenen Klosterbibliothek, wird nun in Kaufbeuren der Öffentlichkeit vorgestellt.

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