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“War Requiem”: Ewig ruhe der Krieg!

Europa: Gelebtes Erbe Bundesjugendorchester

Bundesjugendorchester - das nationale Jugendorchester der Bundesrepublik Deutschland oder: Deutschlands jüngstes Spitzenorchester.

Wenn Deutschlands jüngste musikalische Elite zu den Instrumenten greift, begeistert sie Kritiker, Solisten, Dirigenten und Publikum gleichermaßen: Mitreißende Energie und beachtliche Professionalität verbinden sich zu einem einzigartigen Klang, den weltweit vielleicht nur die 14 bis 19 Jahre alten Musikerinnen und Musiker des Bundesjugendorchesters entstehen lassen können. Das Bundesjugendorchester, 1969 vom Deutschen Musikrat gegründet, wird seit 2013 von den Berliner Philharmonikern als Patenorchester unterstützt. Keine Weltgegend, die die Nachwuchsmusiker noch nicht bereist haben: Das Orchester, häufig als Kulturbotschafter der Bundesrepublik Deutschland unterwegs, tourte bisher in ganz Europa, Nord- und Südamerika, Asien und Afrika. Im Rahmen zeitgeschichtlich bedeutender Projekte spielte das Spitzenensemble anlässlich des 50. Jahrestages der Berliner Luftbrücke in Amerika, im Berliner Schloss Bellevue bei Bundespräsident Joachim Gauck, in Osteuropa im Rahmen der Deutschen EU-Ratspräsidentschaft und in Südafrika im kulturellen Vorprogramm der Fußballweltmeisterschaft 2010.

Im Europäischen Kulturerbejahr setzt das Bundesjugendorchester einen Schwerpunkt auf das Immaterielle Kulturerbe der Deutschen Theater- und Orchesterlandschaft sowie des Instrumentalen Laien- und Amateurmusizierens. Im Vordergrund steht das gemeinsame Erinnern an Zeiten des Krieges, der Zerwürfnisse und der Nationalismen in Deutschland und Europa mit der maßgeblichen Perspektive auf dauerhaften Frieden und Zusammenhalt. Benjamin Brittens „War Requiem“ als musikalisches Erbe wird mit dem Projekt als herausragendes Zeugnis der gemeinsamen europäischen Geschichte präsentiert. Durch die Einbeziehung von 300 Mitwirkenden, durch Livekonzerte, Workshops, Radioübertragungen, Internetstreamings und multimediales Dokumentationsmaterial werden breite Kreise der Gesellschaft erreicht. Die den Opfern der beiden Weltkriege gewidmete Totenmesse des leidenschaftlichen Pazifisten Benjamin Britten hat durch die Verknüpfung des traditionellen Requiem-Texts mit neun »War Poems« des im ersten Weltkrieg ums Leben gekommenen englischen Dichters Wilfred Owen eine unvergleichliche Tiefendimension und emotionale Wirkung.

Die Ausführenden der ingesamt drei Konzerte in Köln, Wroclaw und Berlin kommen, ganz im Sinne des Komponisten, aus verschiedenen Ländern, die seinerzeit verfeindet waren (Deutschland, England, Frankreich, Polen, USA), aber auch aus Teilen der Welt, die aktuell in Kriege verwickelt sind, darunter Flüchtlinge aus dem Nahen Osten im Jugendprojektchor. Brittens Komposition impliziert das musikalische Miteinander geradezu: Unterschiedliche Klangkörper, großes Orchester und großer Chor, Kammerorchester und Kinderchor sowie drei Solisten und zwei Dirigenten finden am Ende zu einem hoffnungsvollen Ganzen und mahnen: "Ewig ruhe der Krieg!".

Unter der Leitung von Thomas Neuhoff und Daniel Spaw wird das Bundesjugendorchester zusammen mit dem Chor des Bach-Vereins Köln, dem Polnischen Nationaljugendchor, dem Coventry Cathedral Girls' Choir, dem Köln-Bonner Kinderprojektchor, Mitgliedern des französischen Jugendorchesters und den Gesangssolisten Banu Böke (Sopran), James Gilchrist (Tenor) sowie Erik Sohn (Bariton) dieses Werk interpretieren.

Das Projekt wird im Rahmen des Europäischen Kulturerbejahres 2018 von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) gefördert.