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Wiedereröffnung des Markgräflichen Opernhauses Bayreuth

Europa: Gelebtes Erbe Bayerische Schlösserverwaltung

Das Zeitalter des Barock wird gerne als theatralische Epoche bezeichnet, die barocke Welt als „Theatrum Mundi“. Architektur, Malerei und Plastik äußerten sich in aufwendigen und überreichen Inszenierungen mit enormen Dimensionen.

Höhepunkt barocker Repräsentation, d.h. der Zur-Schau-Stellung der gesellschaftlichen Position, war das barocke Fest. Alle offiziellen Ereignisse dieser Zeit wurden von prunkvollen Festveranstaltungen begleitet, welche die tägliche Wirklichkeit transzendierten: Sie deuteten höhere Sinnzusammenhänge an, schufen unter Verweis auf religiöse, mythologische oder historische Vorbilder Legitimation, ließen die Teilnehmer/innen ihren Platz und Rang in einer gegliederten Gesellschaft darstellen. Dafür wurden unerhörte und noch nie gesehene Inszenierungen unter Verwendung ephemerer Architekturen geschaffen, an denen die bedeutendsten Künstler/innen der Zeit zusammenwirkten.

Im Rahmen des barocken Festes nahm die Oper die herausragendste Stellung ein. In ihr wirkten die einzelnen Künste – Gesang, Instrumentalmusik, Kostümentwurf, Architektur, Malerei und Maschinentechnik – zusammen und schufen Gesamtkunstwerke, die ihrerseits die Welt der Mächtigen abbildeten und überhöhten, aber zugleich Raum gaben für Emotionen, die im normalen Leben nicht gezeigt werden durften. Für die Oper schufen Spezialisten eigene Musiktheater, in denen der fürstliche Hof oder die aristokratische Gesellschaft ihr in Musik, Tanz und Sprache gefasstes Spiegelbild betrachten konnten. Oper war somit nicht nur künstlerische Darbietung, sondern ein herausragendes Mittel höfischer Kultur und Selbstdarstellung.

Das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth verkörpert in außergewöhnlicher Vollendung und Erhaltung den Typus des höfischen Opernhauses und Festraumes des 18. Jahrhunderts in Europa, der neben dem Schloss- und Kirchenbau wichtigsten Repräsentationsplattform der absolutistischen Gesellschaft. Als Schöpfung der musikbegeisterten, selbst komponierenden und Regie führenden Fürstin Wilhelmine von Bayreuth stellt es zugleich ein bedeutendes Zeugnis der europäischen Musikkultur dar. Es repräsentiert auf singuläre Weise die ephemere/vergängliche Architektur, die Impulsgeber für die bildenden Künste dieser Zeit war. Das Markgräfliche Opernhaus mit seinem in höchstem Maße unversehrt erhaltenen Zuschauerraum aus der Hand des von Schweden bis Portugal bedeutendsten Theaterarchitekten der Zeit, Guiseppe Galli Bibiena, steht in einzigartiger Weise für die Fest- und Opernkunst des Barock und ist ein Beleg für diesen europaweit ausgeprägten und heute verschwundene Höhepunkt barocker Inszenierung.

Bislang auf der Welterbeliste der UNESCO verzeichnete Theater der Renaissance- und Barockzeit sind überwiegend als Bestandteile größerer Denkmalensembles in die Welterbeliste aufgenommen worden. Es handelt sich zudem in der Regel um kleine Theatersäle, die mehr für das Schauspiel als für großes Musiktheater, Opern- oder Festveranstaltungen bestimmt waren. Als Monument der europäischen Fest- und Musikkultur des Barock schließt das Markgräfliche Opernhaus diese Lücke auf der Welterbeliste in unvergleichlicher Weise.

Nach sechs Jahren aufwendiger Restaurierung und Sanierung öffnet das UNESCO-Weltkulturerbe Markgräfliches Opernhaus Bayreuth endlich wieder seine Türen. Anlässlich der Wiedereröffnung 2018 feiert die Bayerische Schlösserverwaltung vom 17. bis 29. April die "Residenztage Bayreuth" mit einem bunten Rahmenprogramm. Führungen, Mitmachstationen und Vorträge werden für alle Altersklassen geboten.