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William Lindley – Ein Mann startet durch

Die europäische Stadt Gymnasium Klosterschule

William Lindley (1808-1900) hat in Hamburg viele Spuren hinterlassen, die noch heute allenortes aufscheinen. Das ist erstaunlich, weil er seine Leistungen vor rund 160 Jahren erbrachte und Hamburg ja zu den Städten gehört, die - neben den schweren Zerstörungen aus dem Zweiten Weltkrieg - auch als Grundhaltung lebt: Was nicht gebraucht wird, kommt weg!

William Lindley ist Vertreter der Zeit vor und noch stärker nach 1800, in der damals die besten Ingenieure der Welt aus dem Vereinigten Königreich stammten. Hier wurden erstmals zahlreiche moderne technische Erfindungen gemacht und umgesetzt sowie erste technisch-konstruktive Hochleistungen erbracht. Hamburg kam eher per Zufall in den „Besitz“ eines solchen raren englischen Ingenieurs, der dazu noch schon als Sechzehnjähriger hier in Hamburg Deutsch gelernt hatte. Lindley war ursprünglich von Lübecker Kaufleuten nach Norddeutschland gelockt worden, um – damals war Aufbruchstimmung, in Deutschland wurden neue Eisenbahnen gebaut! – eine Eisenbahnverbindung zwischen Hamburg und Lübeck zu projektieren. Zwar unterband der Staat Dänemark den Bau dieser Bahnlinie, aber William Lindley war noch in Hamburg, um u.a. die Bahn Hamburg-Bergedorf (die drei Jahre später zur Linie Hamburg-Berlin erweitert wurde) zu bauen und Brücken zu konstruieren, als in den heißen Maitagen 1842 der Große Hamburger Brand die halbe Hamburger Altstadt zerstörte. Lindley schlug Schutzsprengungen vor und verhinderte damit noch Schlimmeres.

Von hieran war Lindley gesetzt. In der Folge entwarf er nicht nur den neuen Straßenplan der Altstadt (und wurde schließlich zunehmend um seine Einschätzung gebeten, wenn es um Fragen der allgemeinen sowie besonderen Stadtplanung ging, etwa auch um den Stil von Neubauten), sondern er entwarf in Hamburg die Wasserversorgung einschließlich der „städtischen Wasserkunst“ und städtischer Badeanstalten (nach Chadwicks Grundüberzeugung: nur saubere Menschen sind gute Menschen!). Lindley baute hier außerdem die erste moderne unterirdische Kanalisation auf dem europäischen Festland (die in Teilen noch heute existiert!), projektierte weiter in Hamburg Bahnlinien und Bahnhöfe samt zugehöriger Infrastruktur und befasste sich mit der Konzeption des Hafens. Lindley war damals in Hamburg zwischen 1838 und 1860 fast allgegenwärtig, er war de facto „Stadtbaudirektor“. Andere Deutsche neideten Hamburg diesen Diamanten und warfen den Hanseaten Anglophilie vor.

Inzwischen mit einer Hamburgerin verheiratet und Vater zweier Söhne, wurde unserer Zentralfigur William Lindley aber bei der Bewerbung um Amt und offiziellen Titel des "Stadtbaudirektors" mit wohlbestallter Lebensanstellung ein eher unbekannter Konkurrent vorgezogen, sodass Lindley hiernach tief gekränkt nach London zurückkehrte und dann von dort aus weiter die Kanalisationen in europäischen Metropolen wie Warschau, Prag, Basel oder Frankfurt konzipierte und von seinen Söhnen bauen ließ. William Lindley starb in London 92-jährig im Jahre 1900.

Das Gymnasium Klosterschule widmet sich William Lindley in einem Schülerprojekt. Bei Exkursionen gehen die Schüler/innen auf Spurensuche, um das Schaffen des britischen Ingenieurs in der Hansestadt zu erfahren. In mehreren Arbeitsgruppen werden unterschiedliche Themen behandelt, die auch William Lindley beschäftigt haben. Die Ergebnisse werden nicht nur in der Klosterschule gezeigt. Das Denkmalschutzamt Hamburg wird die Resultate im Europäischen Kulturerbejahr einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machen.

Das Projekt wurde im Schuljahr 2017/18 realisiert mit einer Förderung durch "denkmal aktiv - Kulturerbe macht Schule", das Schulprogramm der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

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