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Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin?

Europa: Austausch und Bewegung Schleswig-Holsteinische Kulturerben - Heirs of Heritage

„Identitäten erwachsen aus Zuschreibungen und Selbstzuschreibungen: aus dem Empfinden der Zugehörigkeit, sei es zur eigenen Lebensgeschichte, sei es zu überindividuellen Gemeinschaften wie der Heimat, der Nation, dem Beruf, dem Geschlecht.“ (Ralph Konersmann)

„Wo kommen wir her? Wo wollen wir hin?“ – Lassen sich Zehnjährige von diesen Fragen begeistern oder müssten sie nicht eher lauten: „Was ist Dein Hobby? Was willst Du einmal werden?“ Ein Schulprojekt mit der 4. Klasse der Boy-Lornsen-Schule hat gezeigt: Die eigene Geschichte, Migration und Identität sind Themen, für die auch Grundschüler kreativ werden.

Das von Barbara von Campe in Zusammenarbeit mit Martina Bengsch-Maczik, Schulleiterin der Boy-Lorsen-Schule konzipierte Projekt entstand im Sommer 2015 im Zuge des unerwartet starken und seitdem anhaltenden Flüchtlingsstroms: Menschen, die u.a. vor dem Bürgerkrieg in Syrien sowie staatlichem und islamistischem Terrorismus fliehen, um sich in Deutschland in Sicherheit zu bringen, bringen auch ihre Geschichten mit. Zugleich haben die Wanderungsbewegungen des 20. und 21. Jahrhunderts bereits viele Menschen unterschiedlicher Herkunftsorte über Grenzen hinweg nach Schleswig-Holstein geführt. Als Beispiel: Allein nach dem zweiten Weltkrieg nahm die Einwohnerzahl beinahe um das Doppelte zu. Es ist zu vermuten, dass das mitgebrachte kulturelle Erbe in der Identitätsbildung ihrer Kinder weiter wirkt und sich mit regionalbezogenem Lebensgefühl mischt.

Die Frage „Wer bin ich?“ kann daher ohne die Frage „Wo kommen wir her?“ nicht schlüssig beantwortet werden. Der genealogische Ansatz ermöglicht den Zugang zur eigenen Identität. Indem das kulturelle Erbe der eigenen Familie in Form von Geschichten erfasst wird, dient es auch der Erkenntnis von historischen und gegenwärtigen Zusammenhängen. Durch die Fragen „Wer wollen wir sein?“ und „Wo wollen wir hin?“ wird die Kenntnis von „Migrationen“ und „Identitäten“ zukunftsrelevant.

Die Idee knüpft an den geschichtskulturellen Ansatz der „Schleswig-Holsteinischen Kulturerben – Heirs of Heritage“ an, die eigene Wahrnehmung zu erweitern und Anderes bzw. Fremdes im Sinne einer „Einheit in Vielheit“ durch die Geschichte(n) der eigenen Lebenswelt erfahrbar zu machen.

Ziel des Projektes war es daher, mit Hilfe der eigenen Geschichten den Blick für regionale Besonderheiten des materiellen und immateriellen Kulturerbes zu schärfen und ein Gespür für individuelle Schicksale zu entwickeln. Dabei leitete die Projektverantwortlichen die Einsicht: Nur wer eine gefestigte Identität hat, wer nicht ständig verunsichert ist, kann es sich leisten, liberal gegenüber sich selbst und der Welt zu bleiben.

„Wo kommen wir her? Wo gehen wir hin?“ ist ein Angebot des vom Ministerium für Bildung Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein (MBWK) und der Mercator-Stiftung geförderten Projektes „Schule trifft Kultur-Kultur trifft Schule“. Die Boy-Lornsen-Schule in Tinnum auf Sylt wird im Jahr 2018 zum dritten Mal daran teilnehmen.

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