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Aufführung

DanceLab Berlin: “H.K. – Quintett”

2017/11/03 - 20:00
Toledo, Spanien
 Ensayo General de DanceLab Berlín, de la obra El círculo eterno, en los Teatros del Canal. Madrid 29 de septiembre de 2015

Als historische Künstlerpersönlichkeit ist Harald Kreutzberg eine widersprüchliche Erscheinung: einerseits ein künstlerischer Revolutionär, andererseits ein Mitläufer des NS-Regimes, der sich nur seiner Kunst verpflichtet sah. Von der New York Times 1927 als „bester Tänzer seit Nijinsky“ betitelt, feierte Harald Kreutzberg internationale Erfolge und avancierte schnell zum Weltstar.

Seine Solostücke und die gemeinsamen Auftritte mit Yvonne Georgi machten ihn in den USA zur Galionsfigur des „German Dance“. Auch im europäischen Ausland, Russland und Asien wurde er von Kritik und Publikum bejubelt.

Nur wenige Ausdruckstänzer übten einen so großen Einfluss aus und erreichten Weltgeltung. In der Frauen-Domäne Ausdruckstanz rückte Kreutzberg den Tänzer in den Fokus und ermutigte so u.a. José Limón, diesen damals noch als ‘unmännlich’ geltenden Beruf zu ergreifen.

Selbst völlig unpolitisch, setzte Kreutzberg seine Karriere unter dem NS-Regime ohne Unterbrechung fort und ließ sich als Aushängeschild der NS-Kulturpropaganda instrumentalisieren. Er wurde einer der angesehensten und hochdotiertesten Künstler Nazideutschlands, obwohl er als Homosexueller mit seiner Verkörperung von Frauenrollen schon in der Weimarer Zeit für heftige Diskussionen um das Bild des männlichen Tänzers sorgte.

Für DanceLab Berlin ergaben sich aus Kreutzbergs Biografie drei Kernfragen, denen sie in ihrem zeitgenössischen Tanzstück „H.K. – Quintett“ nachgehen:
„Wie entwickelt sich Identität zwischen Individualität und Uniformität? Was bedeuten die Begriffe ‚maskulin‘ und ‚feminin‘ vor dem Hintergrund der Gender-Debatte? Und was ist die Rolle des männlichen Tänzers heute?

Dabei geht es den Choreografen Norbert Servos und Jorge Morro nicht um die Rekonstruktion originärer Kreutzberg-Stücke. Durch das Herauslösen einzelner Gesten aus Kreutzbergs Bewegungsvokabular und ihrer Kombination mit zeitgenössischem Schrittmaterial nähern sich die beiden gemeinsam mit einem Tänzer-Quintett dem historischen Material aus heutiger Perspektive an und spürten so neuen Zugängen nach.

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