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Vorträge

PaderPower – Historische Wasserkraft im europäischen Kontext

22/03/2018, 18:00
Kamp 6, 33098 Paderborn, Nordrhein-Westfalen




Theologische Fakultät/Hörsaal 2
Kamp 6
33098 Paderborn
Nordrhein-Westfalen

Historische Wasserkraft/Energiegewinnung aus Wasser – die historische Entwicklung im europäischen Kontext

Vortrag 1 – Die Paderborner “Wasserkünste” als Spiegel europäischen Kulturerbes

Dr. Michael Ströhmer, Universität Paderborn
Im Jahr 1523 erhielt die Stadt Paderborn eine s.g. “Wasserkunst”. Diese zählt zu den frühesten und modernsten urbanen Versorgungssystemen in Westfalen. Im Vortrag wird die europäische Dimension eines internationalen Wissenstransfers im Bereich des immateriellen Kulturerbes beleuchtet. Die bis heute unbekannten Konstrukteure dürfen als „Wiederentdecker“ und Epigonen gesamteuropäischer Ingenieurskunst angesprochen werden. Der Vortrag führt anschaulich am Beispiel historischer Relikte zur damaligen Pumpentechnik, zu den unterirdischen Leitungssystemen und zum Bau repräsentativer Wasserspeicher („Kümpe“) in die frühe Technik der Wassserbaukunst ein. Für Paderborn sind insgesamt sogar drei historische Wasserkünste überliefert. Der Begriff “Kunst-Wasser” deutet es an: Das bereits im Mittelalter übernommene und in der Frühen Neuzeit in Oberitalien, den Niederlanden und Frankreich weiterentwickelte Know-how über die antiken Hebetechniken der Griechen und Römer kam auch in der westfälischen Provinz früh zum Einsatz. Mit Hilfe der Wasserkünste konnten akute und brennende Probleme der Wasserversorgung in den wachsenden Städten Alteuropas gelöst werden. Insbesondere die Versorgung mit Frischwasser und mit Löschwasser sind zu nennen. Die Paderborner Wasserkünste spiegeln die Entwicklung der europäischen Ingenieurskunst wider und stellen deshalb einen idealen Beitrag für das Europäische Kulturerbejahr dar. Der Historiker Dr. Michael Ströhmer forscht und lehrt an der Universität Paderborn und hat mit seinen Recherchen zur Paderborner Wasserkunst wesentlich dazu beigetragen, dass das Funktionsmodell der Wasserkunt im Jahr 2017 im Paderquellgebiet auf gestellt werden konnte.

 

Vortrag 2 – Geschichtliche Entwicklung von Wasserkrafttechnologien unter besonderer Berücksichtigung des Wasserrades – ein fragmentarischer Überblick von den Anfängen bis zur Gegenwart

Dipl.-Ing. Christian Seidel, TU Braunschweig
Christian Seidel hat im Rahmen seiner Forschungen zur Energiegewinnung durch Wasserkraft auch die historische Dimension im Blick.Wasserkraftmaschinen gelten als die ältesten Energiemaschinen der Menschheit. Der Beginn der Wasserkraftnutzung hängt eng mit den großen Bewässerungskulturen im Nahen Osten zusammen und mit der Notwendigkeit, mittels Schöpfrädern die Feldbewässerung dauerhaft im großen Maßstab sicherzustellen. Die gewerbliche Nutzung der Wasserkraft zur Getreidevermahlung setzt in der Antike ein – vermutlich zunächst im griechisch kolonialisierten Raum, später im römischen Reich. Eine größere Bandbreite an gewerblichen Anwendungen der Wasserkraftnutzung kann schon im römischen Reich nachgewiesen werden. Hier beginnt auch die Entwicklung und Spezifizierung verschiedener Wasserkraftmaschinentypen. Im Mittelalter setzt dann unter der Verwendung und Weiterentwicklung der antiken Technologien ein rasanter Aufschwung der Wasserkraftnutzung im europäischen Raum ein, der seinen Höhepunkt in der industriellen Revolution findet. Es sind die Wasserkrafttechnologien als Universalmotoren dieser Revolution, die diese  überhaupt erst ermöglichen. Anschließend sorgen sie gemeinsam mit der Dampfmaschine für eine stürmische Ausbreitung in Europa und in Nordamerika. Mit der Monopolisierung der Mehlproduktion, der Zentralisierung der Stromerzeugung in Großkraftwerken und der Umstellung vom mechanischen Universalantrieb durch Transmissionen zum elektrischen Einzelantrieb verlieren die klassischen Wasserkrafttechnologien an Bedeutung. Wasserräder werden durch Tubrinen ersetzt. Erst im Rahmen der Energiewende zeigen sich auch die klassischen Wasserkrafttechnologien wie die Wasserräder oder die Wasserkraftschnecken aufgrund ihrer hohen Effizienz und ihrer ökologischen Verträglichkeit wieder von besonderem Interesse für gegenwärtige und zukünftige Entwicklungen. Michael Seidel lehrt und forscht am Institut für Statik in der Arbeitsgruppe Regenerative Energiend er TU Braunschweig, wo er u.a. an der Entwicklung eines neuen Wasserkraftwerktyps für den Bereich niederer Fallhöhen und großer Durchflussmengen beteiligt ist.

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