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Versöhnung über Grenzen hinweg

05/03/2018, 00:00
Straße nach Tachov Tschechische Republik
 Zwerez Ferdl in Paulusbrunn geboren erläutert die Situation  vor Ort.




Böttgersäule in Paulusbrunn Pavluv Studenec
Straße nach Tachov
Tschechische Republik

Von der Joachimsthaler Hölle bis zur grenzüberschreitenden Versöhnungsarbeit reichte das Themenspektrum bei der Tagung der Arbeitsgemeinschaft für kirchliche Gedenkstättenarbeit, die vom 5. bis 7.März stattfand. Rund zwanzig Mitarbeitende aus Gedenkstätten in Dachau, Ravensbrück, Neuengamme, Berlin und Nordrhein-Westfalen nahmen daran teil.

 Besuch in Pavluv Studenec – Paulusbrunn

Die Bedeutung von Versöhnung und Gesprächen auf Augenhöhe unterstrichen auch die Begegnungen mit dem evangelischen Pfarrer Petř Tomašek in Cheb, ehemals Eger, und Zeitzeugen aus dem zerstörten Dorf Paulusbrunn. Auf dessen Existenz weisen heute lediglich eine Steinsäule und ein Friedhof hin. Die Bewohner/innen der ehemaligen Streusiedlung auf der tschechischen Seite der Grenze wurden nach Kriegsende vertrieben, sämtliche Häuser dem Erdboden gleich gemacht. Lediglich den Kirchturm nutzten die Grenzsoldaten zunächst noch als Wachturm. Ferdinand Zwerenz und Ingrid Leser leben heute in unmittelbarer Nähe in Bärnau in Deutschland. Doch sie stellen fest: „Die Menschen, die von Paulusbrunn wissen, werden immer weniger.“

Umso wichtiger ist es, Kinder und Jugendliche an die Geschichte heranzuführen, waren sich die Tagungsteilnehmer/innen einig. Dazu sei unter anderem eine Wanderung mit Jugendlichen entlang der Grenze geplant, erläuterten Pfarrer Petř Tomašek und Tanja Fichtner, Projektreferentin für Gedenken und Versöhnung bei der Evangelischen Jugend im Dekanat Weiden. „Tschechische und deutsche Jugendliche machen sich gemeinsam auf den Weg und dokumentieren die Stationen ihrer Wanderung mit einem Fotoprojekt.“ Einer von vielen kleinen Schritten hin zur Versöhnung.

Anlass, der Erkundungsreise war der Start des Projektes  „Grenzüberschreitende Jugendarbeit im Evangelisch-Lutherischen Dekanat Weiden“. Bei einer Exkursion nach Tschechien machte sich die Gruppe auf Spurensuche nach den letzten Zeugnissen des Uranbergbaus in Jáchymov in Nordwestböhmen, ehemals Joachimsthal. Von 1945 bis Anfang der 1960er Jahre wurden in der „Joachimsthaler Hölle“ Zwangsarbeiter eingesetzt, um das Atomprogramm der Sowjetunion voranzutreiben. Viele von den dort inhaftierten Kriegsgefangenen und politischen Häftlingen überlebten die unmenschlichen Arbeitsbedingungen nicht oder starben Jahre später an den Folgen der radioaktiven Verstrahlung. Die Reise endete in Flossenbürg in die Oberpfalz.

Angelehnt an einen Bericht von Frau Susanne Götte

Projekt Ansehen